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28.01.2013

85-Jähriger gesteht tödliche Schüsse auf pflegebedürftige Ehefrau

Ein trauriger Fall: Ein 85-Jähriger erschießt nach aufopferungsvoller Pflege seine demenzkranke Frau, weil er nach eigenen Worten keinen anderen Ausweg mehr sieht. Jetzt steht er vor Gericht.

Heidelberg (dpa/lsw) - Ein 85 Jahre alter Mann hat vor dem Landgericht Heidelberg gestanden, seine demenzkranke und pflegebedürftige Ehefrau erschossen zu haben. Er berichtete zum Prozessauftakt am Montag, wie ihn die Pflege der 84-Jährigen immer mehr überfordert habe. «Ich kann nicht mehr, es muss etwas geschehen», schilderte er seinen Zustand am Tag vor der Tat. Die Staatsanwaltschaft hat ihn wegen Totschlags angeklagt.

Das Drama spielte sich am 16. September 2012 in einem Haus im Sinsheimer Ortsteil Hoffenheim (Rhein-Neckar-Kreis) ab: Der Rentner tötete nach 58 Ehejahren seine kranke Ehefrau mit zwei Schüssen in den Kopf. Danach versuchte er, sich die Pulsadern aufzuschneiden.

«Ich war mit meiner Frau sehr glücklich, sie war meine Jugendliebe», blickte der schmale, gebrechlich wirkende Mann zurück. Trotz eigener gesundheitlicher Probleme hat er laut Anklage seine Frau bis zum Schluss aufopferungsvoll gepflegt. Doch die Demenzkranke habe geistig und körperlich immer mehr abgebaut, sei jede Nacht ruhelos im Haus umhergeirrt und habe auch die Toilette nicht mehr gefunden, berichtete der Mann.

Seine Frau habe zunehmend Hilfe abgewiesen, wie sie es auch strikt abgelehnt habe, in ein Pflegeheim zu gehen, erklärte der 85-Jährige. Finanziell wäre dies kein Problem gewesen, denn als Amtsrat hatte der Angeklagte gut verdient, die Familie lebte sparsam und so hatte sich eine stattliche Summe auf dem Sparbuch angesammelt. Der Angeklagte erklärte weiter, seine Frau habe noch vor ihrer Demenzerkrankung vielfach den Wunsch nach einem gemeinsamen Tod geäußert.

Auf die Frage des Richters, woher die Tatwaffe, eine halbautomatische Pistole, stamme, sagte der 85-Jährige, die habe er im Urlaub im Bayerischen Wald unter einem Blätterhaufen gefunden. Für den Prozess sind zwei weitere Verhandlungstage vorgesehen.