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Die Zahl der HIV-Erstdiagnosen in Baden-Württemberg ist in den vergangenen Jahren nicht gestiegen. Entwarnung gibt die AIDS-Hilfe in Stuttgart dennoch nicht.
Die Zahl der HIV-Erstdiagnosen in Baden-Württemberg ist in den vergangenen Jahren nicht gestiegen. Entwarnung gibt die AIDS-Hilfe in Stuttgart dennoch nicht. © dpa
10.08.2010

AIDS-Hilfe gibt für Südwesten keine Entwarnung

STUTTGART. Keine Entwarnung in Sachen AIDS und HIV: Die Zahl der HIV-Erstdiagnosen ist in Baden-Württemberg in den vergangenen Jahren zwar nicht gestiegen, bedeutend weniger Neuinfektionen sind es aber auch nicht geworden.

„Seit zwei bis drei Jahren sind die Zahlen recht stabil“, sagte Franz Kibler, Geschäftsführer der AIDS-Hilfe Stuttgart, der Nachrichtenagentur dpa. Das bestätigen auch Zahlen des Robert-Koch-Instituts. 2009 wurden in Baden-Württemberg 272 Neuinfektionen registriert, nur acht weniger als im Jahr zuvor; 2001 waren es noch fast hundert Fälle weniger.

Die größte Gruppe unter den Betroffenen bilden auch heute noch schwule und bisexuelle Männer. „Über die Hälfte der Neuinfizierten sind Männer, die mit Männern Sex haben“, erklärte Kibler. Nur rund 40 Menschen steckten sich 2009 in Baden-Württemberg durch heterosexuellen Geschlechtsverkehr mit dem Virus an, dicht gefolgt von Migranten aus Ländern, in denen HIV in der Bevölkerung sehr weit verbreitet ist.

Das HI-Virus, das vor allem durch Geschlechtsverkehr übertragen wird, schwächt das Immunsystem und führt zu gesundheitlichen und psychischen Einschränkungen. Es kann außerdem die Immunschwächekrankheit AIDS auslösen, von der dann gesprochen wird, wenn bestimmte lebensbedrohliche Symptome auftreten. Obwohl seit den 90er Jahren Medikamente das Krankheitsbild verzögern können und HIV dadurch nicht immer zwingend zu AIDS führt, sind HIV und AIDS bis heute nicht heilbar.

So richtig freuen kann sich Franz Kibler angesichts der Neuinfektionen nicht, dass die AIDS-Hilfe Stuttgart in diesem Jahr ihr 25-jähriges Bestehen feiert. „Eigentlich wäre es uns lieber, man bräuchte uns gar nicht“, sagte er. Trotzdem habe man in den vergangenen 25 Jahren viel erreicht. „In Deutschland wurde wirklich erfolgreiche Arbeit geleistet“, meinte Kibler. „Die meisten Menschen kennen die Risiken und sind gut informiert.“ Die große Panik und Unsicherheit der 80er Jahre seien vorbei.

Nicht nur der Umgang mit der Krankheit, auch die Aufgaben der AIDS-Hilfe haben sich laut Kibler in den vergangenen beiden Jahrzehnten grundlegend verändert. Bei ihrer Gründung 1985 war die AIDS-Hilfe zunächst eine Selbsthilfegruppe, entstanden aus der schwul-lesbischen Gemeinde und aus der Not heraus. „Damals ging es vor allem um die Betreuung Betroffener und um Sterbebegleitung“, erzählte Kibler. Seit den 90er Jahren habe sich das Leben HIV-positiver Menschen jedoch gewandelt.

„Es ist durch den Einsatz von Medikamenten lebenswerter geworden. Wer sich heute mit Mitte 20 mit dem HI-Virus infiziert, kann bei idealer Betreuung und medikamentöser Behandlung noch 40 bis 45 Jahre leben.“ Dadurch sei heute auch die Arbeit der AIDS-Hilfe eine andere. „Nur noch 30 Prozent unserer Arbeit drehen sich um die Beratung Betroffener, der größte Teil ist Präventionsarbeit“, sagte der Geschäftsführer. Deshalb seien die Mitarbeiter in Schulen und Jugendhäusern, im Gefängnis, bei Prostituierten und im Drogenmilieu unterwegs.

Außerdem bietet der Verein neben zahlreichen Selbsthilfegruppen auch betreutes Wohnen an. Mit rund 750 Mitgliedern ist die AIDS-Hilfe Stuttgart eine der größten AIDS-Hilfen in Deutschland; 12 hauptamtliche und rund 120 ehrenamtliche Mitarbeiter sind für den Verein tätig. Im Jahr 2009 betreute die AIDS-Hilfe mehr als 300 infizierte Menschen. Im Rahmen des 25-jährigen Bestehens finden am 14. Oktober ein Tag der offenen Tür und eine Veranstaltung im Rathaus statt.