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AKW Phillipsburg: Wirbel um angebliche Sicherheitsmängel © dpa
14.12.2012

AKW Phillipsburg: Wirbel um angebliche Sicherheitsmängel

Erneuter Wirbel um angebliche Schlamperei bei der Sicherheit im Kernkraftwerk Philippsburg bei Karlsruhe: Ein anonymer Schreiber mit Insiderwissen listet in einem sechsseitigen Brief Mängel auf und behauptet, dass aus Kostengründen bei Sicherheitsmaßnahmen geschludert werde und Vorfälle nicht gemeldet würden. Baden-Württembergs Umweltministerium nimmt die Vorwürfe ernst, hat aber nach Angaben eines Sprechers bis jetzt keine Hinweise darauf, dass bei der Sicherheit gespart oder etwas vertuscht wurde. Der Betreiber EnBW wies die Vorwürfe am Freitag als «haltlos» zurück.

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In dem «Spiegel Online» vorliegenden Schreiben äußert sich der Anonymus vor allem wegen des älteren Blocks 1 besorgt, der 2011 stillgelegt wurde. Seither, so die Vorwürfe, gehe es «nur noch um Fragen, wie können die Kosten des abgeschalteten Blockes gesenkt werden».

Außerdem moniert er, dass eine wichtige Beckenkühlpumpe, welche die hochradioaktiven Brennelemente kühlt, «durch Fehlverhalten kaputt gefahren» worden sei. In einem anderen Fall sei einem Fahrer bei der Anlieferung ein 25-Liter-Kanister mit Wasserstoffperoxid heruntergefallen, wobei zwei bis drei Liter des Waschmittels für Feuerwehrbekleidung ausliefen, ein Teil davon über dessen Hand. Beide Vorfälle seien nicht gemeldet worden. Auch defekte Gebäudefugen im Notspeisegebäude, durch die «im Brandfall ein Feuer ungehindert in weitere Räume vordringen» hätte können, seien verschwiegen worden.

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) spricht von «Geheimniskrämerei» und fürchtet um die Zuverlässigkeit des Betreibers. Doch alle drei Fälle mussten nach Angaben des für die Aufsicht zuständigen Stuttgarter Umweltministeriums nicht gemeldet werden. Weil es aber nicht das erste Schreiben ist, das Mängel in Philippsburg aufführt - die EnBW musste nach einem ebenfalls anonymen Schreiben aus dem Jahr 2011 Ereignisse nachmelden - hat Minister Franz Untersteller (Grüne) einen umfassenden Fragenkatalog an die EnBW geschickt. Er erwartet eine «zügige» Antwort.

Die EnBW wollte die «pauschalen Vorwürfe und Unterstellungen» im Einzelnen nicht kommentieren. Die anonyme Form «widerspricht unseren Grundsätzen vom offenen, ehrlichen und respektvollen Umgang miteinander», hieß es in einer Stellungnahme. Genau das aber ruft Untersteller auf den Plan: «Es kann nicht sein, dass in so einem Unternehmen kein Klima herrscht, keine Sicherheitskultur herrscht, in der man das nicht offen ansprechen kann», sagte er SWRinfo.

Die BUND-Landesvorsitzende Brigitte Dahlbender forderte den neuen EnBW-Chef Frank Mastiaux auf, «endlich eine transparente Sicherheitskultur einzuführen». Eine möglichst hohe Sicherheit müsse oberste Priorität haben und dürfe «nicht durch Kosteneinsparungen ad absurdum geführt werden». Hier sei auch das Umweltministerium in der Pflicht. Dahlbender schlägt vor, dass zusätzliche unabhängige Gutachter für unangemeldete Kontrollen eingesetzt werden. Auch müsse es Angebote für vertrauliche Vieraugengespräche mit den Mitarbeitern geben.