nach oben
Matthias Müller, Porsche-Vorstandsvorsitzender, bei der North American International Auto Show (NAIAS) im US-amerikanischen Detroit auf dem Stand von Porsche. Ihm droht jetzt richtig Ärger mit der Justiz.
Matthias Müller, Porsche-Vorstandsvorsitzender, bei der North American International Auto Show (NAIAS) im US-amerikanischen Detroit auf dem Stand von Porsche. Ihm droht jetzt richtig Ärger mit der Justiz. © dpa
16.01.2013

Ärger in Indien - Klicken bei Porsche bald die Handschellen?

Stuttgart (dpa) - Die Rede ist von Betrug und Verschwörung: Porsche-Chef Matthias Müller droht in Indien Ärger mit der Justiz. Der Sportwagenbauer tauschte dort kurzfristig den Fahrzeugimporteur aus.

Die Rede ist von Betrug und Verschwörung: Porsche-Chef Matthias Müller droht in Indien Ärger mit der Justiz. Der Grund: Der Sportwagenbauer tauschte dort kurzfristig den Fahrzeugimporteur aus. Mit dem ist allerdings nicht zu spaßen - er geht gerichtlich gegen Porsche vor. Nach Angaben des indischen Bundeskriminalamts hat ein Gericht bereits Haftbefehl erlassen.

Klicken bei Porsche bald die Handschellen?

Das sähe zumindest der erboste Vertriebspartner in Indien gern: Ein Sprecher des betroffenen Fahrzeug-Importeurs Precision Cars sagte der dpa, dass ein Gericht in Jaipur bereits im November Haftbefehl gegen Müller und weitere Manager erlassen habe. Das indische Bundeskriminalamt bestätigte entsprechende Haftbefehle gegen die Porsche-Vorstände.

Juristen gaben indes Entwarnung: «So schnell wohl nicht», sagt Strafrechtsexpertin Bettina Weißer von der Universität Münster mit Blick auf eine mögliche Festnahme. «Absolut ausgeschlossen ist, dass sie jemanden aus Indien nach Deutschland schicken, der Müller dann holt.» Entscheidend für eine mögliche Auslieferung sei, ob die deutschen Behörden in dem Fall auch einen Straftatbestand sähen.

Was genau wirft der Importeur Porsche eigentlich vor?

Die Liste der Vorwürfe ist lang: Die Rede ist unter anderem von Vertragsbruch, Betrug, aber auch von einer Verschwörung. «Im April 2012 hat Porsche über Nacht einen neuen indischen Vertriebspartner bekanntgegeben, ohne uns vorher zu informieren», kritisierte der Sprecher des Importeurs Precision Cars. Noch kurz zuvor habe der Sportwagenbauer einen Brief geschrieben, wie zufrieden er mit der Arbeit von Precision Cars sei.

«Porsche organisiert den Vertrieb weltweit um. Das können sie ja machen - aber nicht auf unsere Kosten», sagt der Sprecher. Es sei ein Schaden von 25 Millionen US-Dollar (rund 18,8 Millionen Euro) entstanden.

Ein kurzfristig gekündigter Vertrag - muss man deswegen gleich ins Gefängnis?

«Wegen einer Vertragsverletzung wird man noch nicht verhaftet», sagte die Münsteraner Juristin Petra Pohlmann, die auf internationales Wirtschaftsrecht spezialisiert ist. «Da muss auf jeden Fall noch etwas dazu kommen - wie etwa Betrug oder Untreue.» Ein weiterer juristisch relevanter Punkt könne eine mögliche Marktmacht des Sportwagenbauers in Indien sein. Dann könne der geschasste Importeur argumentieren: «Porsche missbraucht seine Marktmacht.»

Nach welchem Recht würde denn über den Fall verhandelt - sollte es überhaupt zu einem Prozess kommen?

«Wenn Sie in einem fremden Land eine Straftat begehen, dann hat dieses Land die Hoheit», erklärte Strafrechtsexpertin Weißer. «Das ist dann die nationale Strafgewalt.» Heißt: Der Porsche-Chef müsste sich nach indischem Recht verantworten.

Was sagt Porsche zu den Vorwürfen?

Der Autobauer hat davon selbst erst aus den Medien erfahren, wie ein Sprecher sagte. Dokumente zu den Vorwürfen seien bei Porsche zuvor gar nicht eingegangen. «Unsere Anwälte kümmern sich gerade darum.»

Und Müller selbst?

Der zeigte sich unterdessen auf der Automesse in Detroit - juristisch völlig unbescholten, wie ein Sprecher betonte. «Aus den USA konnte er nach seinem Besuch problemlos ausreisen.»