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Bernd Grimmer (rechts) an einem der beiden Tische mit AfD-Mitgliedern aus Pforzheim und dem Enzkreis am Samstag beim Landesparteitag der Alternative für Deutschland im CongressCentrum Pforzheim. Foto: Seibel
26.07.2015

AfD-Landesparteitag wählt Pforzheimer Bernd Grimmer in den Vorstand

Bernd Grimmer strahlt – und mit ihm die rund 30 AfD-Mitglieder aus Pforzheim und dem Enzkreis. Grimmer schüttelt Hände, nimmt Glückwünsche entgegen, so mancher klopft ihm anerkennend auf die Schulter. Es ist Samstagnachmittag. Mit 71 Prozent der abgegebenen Stimmen ist der 65-Jährige soeben auf dem Landesparteitag im CongressCentrum Pforzheim (CCP) in den neuen Vorstand der baden-württembergischen Alternative für Deutschland gewählt worden – als einer von drei Sprechern.

Bildergalerie: Parteitag der AfD im CongressCentrum

„Ich hatte es gehofft, dass er es schafft, aber nicht damit gerechnet“, sagt Grimmers Parteifreund Frank Blonus aus Niefern. Was er jetzt von dem Pforzheimer AfD-Stadtrat erwartet? „Er soll den altbewährten AfD-Kurs fortsetzen – nicht mehr, aber auch nicht weniger.“

Und welche Ziele hat sich der studierte Wirtschaftswissenschaftler, der im Wahlkreis Pforzheim für den Landtag kandidiert, vorgenommen? Zunächst den Landesverband in Ordnung bringen, sagt Grimmer. Nach den Turbulenzen der vergangenen Wochen und den Austritten infolge des Rechtsrucks sowie der Abspaltung des Lucke-Lagers gilt es für ihn, einige Kreisvorstände zu rekrutieren und geeignete Kandidaten für die Landtagswahl zu gewinnen, um in allen 70 Wahlkreisen antreten zu können. Und auch inhaltlich müsse sich die AfD noch fit machen für den Landtagswahlkampf.

Er selbst werde die Themen innere Sicherheit, Bildung und Energie in den Fokus rücken, hatte Grimmer in seiner Vorstellungsrede vor den mehr als 300 AfD-Mitglieder im CCP gesagt, das nur über einen mit Sperrgittern gesicherten Eingang und vorbei an mehreren Kontrollen zu betreten war.

Während Grimmer seinen Erfolg auf heimischem Terrain voll auskosten kann, muss wenige Meter davon entfernt Jörg Meuthen eine bittere Pille schlucken – auch wenn er nach außen Gelassenheit zeigt. Zwar wird der 54 Jahre alte Wirtschaftsprofessor und zweite AfD-Bundessprecher mit 92 Prozent in das Triumvirat gewählt. Um zwei Prozentpunkte besser steht am Ende aber der Stuttgarter AfD-Stadtrat Lothar Maier (71) da, der damit erster Sprecher der rechtskonservativen Landespartei ist, auch wenn die beiden anderen gleichberechtigt sind.

Herz und Seele

Dabei dürfte Meuthen nach seiner Begrüßungsrede bei vielen schon als sicherer Sieger gegolten haben. Nur kurz rechnet er mit der Vergangenheit ab, greift den AfD-Gründer Bernd Lucke heftig an, konstatiert „eklatantes Führungsversagen“, spricht von „devoten Höflingen“, nennt den „Weckruf 2015“ absurd. Für die Zukunft fordert er „ein Klima des innerparteilichen Vertrauens und nicht des Misstrauens“. Meuthen ruft zu harter, beharrlicher Arbeit auf und beschwört den gemeinsamen Aufbruch. Das kommt an. „Er hat Herz und Seele der AfD in Worte gefasst“, attestiert ihm Irene Till aus Mühlhausen.

Doch es reicht nicht. Drei Minuten braucht Maier, Professor für Verbraucherpolitik, um die Mehrheit auf seine Seite zu ziehen. Wenige Sätze, um zum politischen Angriff zu blasen. „Die Bürger wünschen sich, dass ihnen keine Lügen mehr vorgesetzt werden über die völlig außer Kontrolle geratene Masseneinwanderung“ – Gleiches gelte für die „Geschenkpakete für Griechenland“. Einfache Worte, die zünden und stürmische Zustimmung finden.

Und dennoch: Auch Bernd Grimmer ist letztlich vom Erfolg Maiers überrascht. Eine Erklärung dafür habe er auf die Schnelle nicht, räumt er ein.

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