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Pegida-Demonstrationen in Baden-Württemberg scheinen auf wenig Interesse bei potenziellen Teilnehmern zu treffen. Nur rund 200 Menschen nahmen am Dienstagabend an einem "Spaziergang" der islamfeindlichen Gruppierung teil. Die Zahl der Gegendemonstranten (Foto) soll laut Polizeibericht mehr als doppelt so hoch gewesen sein. Auffällig sei die aggressive Stimmung rund um die Pegida-Demo gewesen.
Pegida-Demonstrationen in Baden-Württemberg scheinen auf wenig Interesse bei potenziellen Teilnehmern zu treffen. Nur rund 200 Menschen nahmen am Dienstagabend an einem "Spaziergang" der islamfeindlichen Gruppierung teil. Die Zahl der Gegendemonstranten (Foto) soll laut Polizeibericht mehr als doppelt so hoch gewesen sein. Auffällig sei die aggressive Stimmung rund um die Pegida-Demo gewesen. © dpa
04.03.2015

Aggressive Stimmung bei kleiner Pegida-Demonstration in Karlsruhe

Karlsruhe. Angesichts mehrerer Verletzter, darunter auch eines Polizeibeamten, sowie einer ganzen Reihe von Steinwürfen zieht der Einsatzleiter der Polizei, Polizeivizepräsident Roland Lay, nach Ende der zweiten, kleinen Pegida-Demonstration und der deutlich größeren Gegendemonstrationen am Dienstagabend in der Karlsruher Innenstadt ein verhalten positives Fazit. Das Konzept der Polizei sei aufgegangen. Aber: „Es macht betroffen, dass so viel Aggression unter den Teilnehmern festzustellen war“, so Lay.

Trotz teilweise überaus aggressiver Versuche von Demonstranten, mit Teilnehmern der Gegenseite zusammenzutreffen, so der Polizeivizepräsident, sei das polizeiliche Konzept einer konsequenten Separierung der verschiedenen Lager sowohl während der Kundgebung als auch während des „Spaziergangs“ der Pegida-Anhänger aufgegangen. Ebenfalls positiv wäre anzumerken, dass es durch die Streckenführung des Aufzugs über Amalienstraße, Kaiserplatz, Kaiserstraße und Hirschstraße zurück zum Stephanplatz gelungen sei, die Einschränkungen für die Bevölkerung gegenüber dem Demonstrationsgeschehen vor Wochenfrist doch deutlich zu minimieren.

Rund 200 Teilnehmer nahmen am Dienstagabend an der Pegida-Kundgebung auf dem Stephanplatz mit anschließendem Umzug teil. Schon vor Beginn dieser Veranstaltung versammelten sich auf dem Europaplatz etwa 500 Personen der Gegendemonstration „Netzwerk gegen Rechts“. Dagegen fanden die im Vorfeld angemeldeten Veranstaltungen „Karlsruhe Kunterbunt“ am Platz der Grundrechte sowie „Für ein Karlsruhe ohne Rassismus“ auf dem Ludwigsplatz so gut wie keinen Zulauf.

Während des zwischen 19.20 und 20 Uhr durchgeführten „Spaziergangs“ sei es, so eine Polizeimeldung, zunächst am Kaiserplatz wie auch kurz darauf an der Ecke Kaiser- und Hirschstraße zu Eier- und Steinwürfen durch Angehörige des linken Spektrums. Auch hier habe die Polizei durch ihr konsequentes Dazwischentreten ein Aufeinandertreffen der Lager verhindern können. Durch die Steinwürfe wurden nach bisherigen Erkenntnissen ein an der Kaiser- und Hirschstraße geparktes Auto sowie wenige Meter entfernt ein Schaufenster beschädigt. Im Zusammenhang mit diesem Geschehen habe die Polizei bei einigen Gegendemonstranten vereinzelt unmittelbaren Zwang anwenden müssen.

So wurde ein Demonstrant, der eine Beamtin gegen den Helm getreten, sie aber nicht verletzt hatte, unmittelbar danach festgenommen. Ein weiterer Angehöriger des linken Spektrums, der bei dem Geschehen an Hirsch- und Kaiserstraße Verletzungen erlitten hatte, wurde nach übelsten Beleidigungen der Beamten ebenfalls festgenommen. Kurz vor Ende der Pegida-Abschlusskundgebung sei es, so ein Polizeibericht, durch linksautonome Demonstranten zu Steinwürfen gekommen. In deren Folge wurden zwei Teilnehmer der Pegida-Veranstaltung verletzt. Die Polizei konnte auch hier mehrere Steinewerfer identifizieren und festnehmen.

Nachdem die Veranstaltung auf dem Stephanplatz beendet war, soll es im Bereich des Europaplatzes durch eine Gruppe von rund 50 ursprünglich zur Pegida-Versammlung gehörenden Hooligans zu Provokationen und kurzen Zusammentreffen mit Teilnehmern der Gegendemonstration gekommen sein. Die Situation konnte durch starke Polizeikräfte aber umgehend bereinigt und die Lager getrennt werden. Gleichfalls am Europaplatz konnten Polizeibeamte einen zum linken Lager gehörenden und unter erheblicher Alkoholeinwirkung stehenden Mann festnehmen, der auf Umstehende und Unbeteiligte mehrere Pfefferspraysalven abgegeben hatte.

Während der Abmarschphase kam es durch rund 200 Teilnehmer des linken Spektrums schließlich noch zu einer Spontandemonstration, die sich vom Europaplatz über die Kaiser-, Fritz-Erler- und Rüppurrer Straße bis zum Bahnhofsvorplatz zog und hier gegen 21.50 Uhr beendet wurde. Insgesamt wurden zehn Demonstrationsteilnehmer festgenommen. Diesen werden Straftaten wie Landfriedensbruch, Körperverletzung, gefährliche Körperverletzung, Sachbeschädigung, Beleidigung sowie Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte zur Last gelegt.

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