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Trinken bis der Notarzt kommt - für viele Narren scheint das an Fastnacht die Devise. Experten fordern frühe Aufklärung, um vor allem Jugendlichen zu zeigen: Spaß haben geht auch ohne Wodka und Joint.
Trinken bis der Notarzt kommt - für viele Narren scheint das an Fastnacht die Devise. Experten fordern frühe Aufklärung, um vor allem Jugendlichen zu zeigen: Spaß haben geht auch ohne Wodka und Joint. © dpa
26.02.2017

Alkohol und Drogen: Polizei und Ärzte warnen vor Feiern ohne Grenzen

Stuttgart (dpa/lsw) - Hilflose Jugendliche, betrunkene Autofahrer, enthemmte Gruppen: Auch in diesem Jahr fürchten Behörden und Ärzte die Folgen von Drogen und Alkohol in der «fünften Jahreszeit». Allein die Kinderklinik der «Narrenhochburg» Konstanz zählt alljährlich zur Fastnacht etwa 20 stark alkoholisierte Jugendliche. «Wir hatten in den vergangenen Jahren auch furchtbare Exzesse», sagt Chefarzt Peter Gessler. Er berichtet von 14-Jährigen mit 1,8 Promille, die Rettungshelfer in nahezu komatösem Zustand ins Krankenhaus bringen. «Wenn sie aufwachen, tragen sie die von uns angelegten Windeln und bemerken, in welch peinlicher Lage sie sind», erzählt der Experte.

Weniger Jugendliche als vielmehr Autofahrer machen der Polizei zu schaffen. Allein im vergangenen Jahr ereigneten sich während der Fastnachtszeit in Baden-Württemberg 243 Unfälle, bei denen die Fahrzeuglenker unter Alkohol- oder Drogeneinfluss standen. Dabei wurden 81 Menschen verletzt, und mehr als 1100 Fahrer mussten ihren Führerschein abgeben. «Leider haben einige unseren Appell, sich nicht unter Alkohol- oder Drogeneinfluss hinter das Steuer zu setzen, ignoriert. Jetzt ist der Katzenjammer groß, und sie müssen sich mit den Folgen auseinandersetzen», meinte das Innenministerium damals.

Ärzte kritisieren schon lange, dass für viele - Jung und Alt - der Alkohol fester Bestandteil der Fastnacht ist. Oft erwarte die Gruppe, dass jeder mithält und die Trinknorm übernimmt. Gessler hält Prävention für einen Schlüssel zur Besserung der Situation. «Die drastischen Folgen sollten früh thematisiert werden», sagt der Arzt. In Konstanz etwa habe es Treffen mit der Elternberatung gegeben.

Auch das Glasverbot in der größten Stadt am Bodensee habe geholfen. «Früher war Alkohol am Kiosk leicht zu bekommen», erzählt Gessler. Sorge bereitet ihm aber, dass viele Jugendliche zu Hochprozentigem wie Wodka greifen. «Sie merken dann oft nicht, wie schnell die Wirkung eintritt. Dann ist es aber meist zu spät.» Allein 2015 mussten fast 22 000 Kinder und Jugendliche in Deutschland wegen akuten Alkoholmissbrauchs in Kliniken stationär behandelt werden.

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