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17.04.2010

Alles annuliert: Nichts geht mehr am Flughafen Stuttgart

STUTTGART. London - annulliert. Rom - annulliert. Teneriffa - annulliert. Paris - annulliert. Die Abfluganzeige am Flughafen Stuttgart, dem größten Airport Baden-Württembergs, wird am Samstag zur Attraktion. Immer wieder bleiben verhinderte Fluggäste vor der Tafel stehen, holen ihren Fotoapparat heraus und schießen das etwas andere Urlaubsfoto. „Ich habe zur Erinnerung ein Bild gemacht. So etwas hat man ja selten“, sagt Nadine Hennenberger (24).

Bildergalerie: Aschewolke zwingt hunderttausende Flugpassagiere zum Warten

Wegen der Aschewolke vom isländischen Vulkan bleibt der Luftraum über Stuttgart bis Sonntag gesperrt, heißt es auf der Tafel. Doch weil Vorhersagen schwierig sind, ändert sich das möglicherweise schon bald wieder. Eigentlich wollte die 24-Jährige mit ihrem Freund nach London fliegen und sich drei Tage dort umschauen. Jetzt hoffen beide, dass die Fluggesellschaft die Flüge um drei Wochen verschiebt. Diese zeige sich zum Glück kulant, sagt das junge Paar erleichtert.

Doch: „Schlimm ist es für uns schon. Wir hatten uns sehr auf die Fahrt gefreut.“ Der ganz große Ansturm vom Vortag, dem ersten Chaos-Tag im Zeichen von isländischer Vulkanasche und Flugausfällen, ist vorbei. Etliche Geschäfte im Flughafen haben geschlossen. Besucher kommen ohnehin keine. Viele Menschen waren durch Medien und die Flughafen-Homepage gewarnt. Sie sind gleich daheim geblieben oder haben frühzeitig andere Wege zu ihrem Reiseziel gesucht. Und doch ziehen immer wieder neue Passagiere mit Koffern durch die Hallen oder überbrücken Wartezeiten auf den Bänken.

Die Unsicherheit ist groß. Für Sarah Awad, die mit ihrer Mutter und ihrer Schwester für acht Tage auf die Kanarische Insel Gran Canaria fliegen wollte, kommen die Warnungen zu spät. „Als wir um 05.00 Uhr in Neunkirchen bei Saarbrücken mit dem Auto gestartet sind, war der Flug noch nicht annulliert.“ Ihre Reisegesellschaft habe ihnen jetzt aber gesagt, dass wohl bis Sonntag kein Flug mehr rausgeht, und dass es in dem kommenden Tagen noch schlimmer werden könne.

Die 25-Jährige ist enttäuscht. „Wahrscheinlich müssen wir unseren Frauenurlaub für dieses Jahr ganz streichen.“ „Wir wollten am frühen Nachmittag für zwei Wochen nach Saloniki fliegen, aber: annulliert“, sagt Petra Hahn und zeigt auf die große Anzeigetafel. Sie hätte mehrfach versucht, ihre Fluggesellschaft zu erreichen, sei aber einfach nicht durchgekommen. „Wir hingen ewig in der Schleife und sind dann rausgeflogen, weil alle Leitungen belegt waren.“

Als sie zuletzt am Samstag um kurz vor 09.00 Uhr ins Internet geschaut hätten, habe der Flug noch dringestanden. „Ich dachte: Wenn wir nicht hinfahren, haben wir hinterher gar keine Ansprüche“, sagt die 42-Jährige aus dem badischen Offenburg (Ortenaukreis). Ihr Mann kommt mit der Nachricht zurück, dass sie Sonntag früh, um 05.50 Uhr, einen Flug bekommen sollen. „Aber wer weiß schon, ob das dann klappt“, sagt er resigniert.

Wer die Wartezeit mit einem lärmfreien Sonnenbad auf der Besucherterrasse des Flughafens verbringen möchte, staunt übrigens nicht schlecht: Der Eintrittspreis ist nicht reduziert - obwohl man an diesem Mittag definitiv keine großen Flieger beim Starten oder Landen beobachten kann. dpa