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Die Polizei in Lörrach ermittelt weiter: Noch ist vieles an dem Amoklauf einer von der Polizei erschossenen Rechtsanwältin unklar.  © dpa
20.09.2010

Amok in Lörrach: Rechtsanwältin tötet Ex-Geliebten und Sohn - Pfleger erstochen

LÖRRACH. Nach dem Amoklauf im baden-württembergischen Lörrach mit vier Toten und vielen Verletzten rätselt die Polizei weiter über das Motiv der mutmaßlichen Täterin. Eine 41-jährige Rechtsanwältin hatte am Sonntagabend in einem Wohnhaus eine Explosion verursacht, bei der ein Mann und ein kleiner Junge (ursprünglich war von einem Mädchen die Rede) ums Leben kamen. Die Polizei geht davon aus, dass es sich bei den Getöteten um ihren ehemaligen Lebensgefährtin sowie um den gemeinsamen fünfjährigen Sohn handelt. Anschließend schoss die Frau im nahegelegenen Klinikum um sich und tötete dabei einen Pfleger.

Bildergalerie: Szenen vom Amoklauf in Lörrach

Die Polizei stoppte die Amokschützin schließlich mit einem tödlichen Schuss. Am Morgen dauerte die Absperrung des Klinikums noch an, wie ein Polizeisprecher sagte. Auch die Betreuer waren noch weiter vor Ort. Weitere Einzelheiten zu der Tat und zu den Ermittlungen wollen Polizei und Staatsanwaltschaft am späten Nachmittag bekannt geben.

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft wurde die Explosion in dem Wohnhaus vermutlich durch einen Brandbeschleuniger herbeigeführt. Es wurden Kanister gefunden. Die Detonation war so heftig, dass eine Wand herausgerissen wurde. In dem Haus wurde auch geschossen. Es war zunächst nicht klar, ob der Mann und der Junge durch Schüsse oder die Explosion und den Brand getötet wurden. Wegen der Schüsse konnte die Feuerwehr den Brand zunächst nicht löschen.

Oberstaatsanwalt Dieter Inhofer sagte in der Nacht zum Montag, die Frau sei nach der Detonation mit einer kleinkalibrigen Sportpistole in das Elisabethenkrankenhaus gegangen und habe auf der Straße zwei Passanten verletzt. Einer sei in den Rücken getroffen worden, der andere habe einen Streifschuss am Kopf erlitten. Danach sei die Frau in den die gynäkologische Abteilung im ersten Stock eingedrungen und habe dort einen Pfleger getötet. Es seien auch Stichverletzungen festgestellt. Wie der Oberstaatsanwalt von Lörrach, Dieter Inhofer, am Montag im ZDF-Morgenmagazin mitteilte, soll die Frau den Pfleger erstochen haben.

Im Flur des ersten Obergeschosses im Krankenhaus wurde die Frau von der Polizei erschossen. „Durch ihr beherztes Eingreifen haben die eingesetzten Beamten Schlimmeres verhindert“, sagte der baden-württembergische Landespolizeipräsident Wolf Hammann am späten Sonntagabend. Von der Explosion bis zum letzten Schuss seien nicht einmal 40 Minuten vergangen.

Aus dem brennenden Wohnhaus rettete die Feuerwehr sechs Erwachsene sowie ein Kind. 15 Bewohner mussten mit Rauchgasvergiftungen in Krankenhäuser gebracht werden. Im Einsatz waren rund 300 Polizisten und Retter aus ganz Südbaden.