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So soll die Winnenden-Realschule nach dem Umbau aussehen.
So soll die Winnenden-Realschule nach dem Umbau aussehen. © dpa
19.05.2010

Amok-Notsignal und Glasbau für Winnenden-Schule

WINNENDEN. Ein Amoksignal für den Notfall und ein lichtdurchfluteter Anbau gegen dunkle Erinnerungen im Alltag: An der Albertville-Realschule in Winnenden beginnen in diesem Sommer einjährige Bauarbeiten. Das Schulgebäude, das im März 2009 ein Schauplatz des Amoklaufs mit insgesamt 16 Toten war, wird nach Angaben der Stadt für 6,2 Millionen Euro mit Glasfronten an neuen Anbauten und mit einem überdachten Innenhof von Grund auf verändert.

Einmalig in Baden-Württemberg sei zudem ein sogenanntes Amoksignal, bei dem ein automatischer Notruf an die Polizei abgegeben wird. Im März 2009 erschütterte der Amoklauf auf dem Schulgelände und im nahen Wendlingen ganz Deutschland. Ein ehemaliger Schüler erschoss 15 Menschen und brachte am Ende sich selbst um. Unter den Opfern waren neun Schüler und drei Lehrerinnen der Albertville-Realschule.

Mit direktem Draht zur Polizei seien bislang nur Banken und Juweliere verbunden, sagt der Leiter des Stadtbauamtes Winnenden, Klaus Hägele. Nach einer im März 2010 geänderten Richtlinie der Polizei könnten nun auch Schulen in Ausnahmefällen mit dem Notrufsignal ausgestattet werden.

100 000 Euro kostet der Einbau des Amoksignals, das durch den Kontakt zwischen einem besonderen Chip und einem an der Wand befestigten Magnetfeldes ausgelöst wird. Nur Lehrer bekommen den Notfall-Chip - falscher Alarm durch derbe Späße von Schülern sei daher ausgeschlossen, sagt Hägele. Wird das Warnsignal ausgelöst, werden über Lautsprecher automatische Ansagen gemacht, wonach die Schüler hinter geschlossenen Türen abwarten sollen.

Die Türen sind automatisch verschließbar, von innen aber immer zu öffnen. Dass ein Amoklauf erneut die gebeutelte Winnender Schule erschüttern könnte, sei dann extrem unwahrscheinlich, sagt Hägele. „Aber man kann es nicht völlig ausschließen.“ Seit einem Jahr werden die Albertville-Realschüler in Containern unterrichtet, in die sie rund zwei Monate nach der Bluttat einzogen. Das Ende des Provisoriums ist für September 2011 vorgesehen: Dann sollen die Jungen und Mädchen in ihre alte Schule zurückkehren.

Die wird dann ein völlig anderes Äußeres bekommen haben: Geplant ist ein gläserner Eingang und ein Verwaltungsgebäude mit breiter Fensterfront. „Wenn die Jungen und Mädchen die Schule betreten, ist der lichtdurchflutete Eingang psychologisch ein Vorteil - trübe Gedanken haben es dann schwer“, sagt der zuständige Architekt Pierre Bocquentin aus Stuttgart.

Der Schulhof werde grüner gestaltet, es dürfe nicht mehr „eine dieser Asphaltwüsten mit Löwenzahn in den Löchern“ sein, meint Bocquentin. Im Gemeinderat gab es bei der entscheidenden Abstimmung über das Bauprojekt Anfang Mai nur eine Gegenstimme. Schulleiterin Astrid Hahn erklärte nach dem deutlichen Votum: „Ein großer Stein fällt uns vom Herzen.“

Die Schüler und Lehrer freuten sich auf den Einzug in das neue Gebäude. Dort sollen auch Psychologen Dienstzimmer beziehen. In zwei Zimmern, den Tatorten vom 11. März 2009, werde wahrscheinlich eine Gedenkstätte eingerichtet, sagt eine Sprecherin der Stadtverwaltung. Regulären Unterricht soll es an den Schauplätzen des Amoklaufs nicht mehr geben.