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Beamte der Spurensicherung der Kriminalpolizei suchten im Schlossgarten in Stuttgart an einem Fundort von zwei Leichen nach weiteren Spuren.
Beamte der Spurensicherung der Kriminalpolizei suchten im Schlossgarten in Stuttgart an einem Fundort von zwei Leichen nach weiteren Spuren. © dpa
05.03.2015

Angeklagter im Koffermord-Prozess hält an Komplott-Theorie fest

Stuttgart. Im Prozess um die Stuttgarter Koffermorde hält der 42 Jahre alte Angeklagte an seiner Komplott-Theorie fest. Er sei Opfer einer Verschwörung von Polizei, Staatsanwaltschaft und Gerichtsmedizin, wiederholte der Mann nach Angaben eines psychiatrischen Gutachters bei einer Untersuchung vor der Fortsetzung des Verfahrens am Donnerstag.

Diese war nötig geworden, weil der Angeklagte am Mittwoch von Stammheim ins Justizvollzugskrankenhaus auf dem Hohenasperg bei Ludwigsburg verlegt werden musste. Mithäftlinge hatten berichtet, der 42-Jährige fühle sich von CIA und FBI verfolgt und bedroht. Er sei «ausgerastet», hieß es im Gericht. Er selbst bestritt das alles jedoch am Donnerstag. Er arbeite und musiziere im Gefängnis und gebe sich «lebensbejahend», sagte der Angeklagte. Der Gutachter bescheinigte ihm auch volle Verhandlungsfähigkeit.

Der Prozess gegen den 42-Jährigen ist noch bis zum 31. März terminiert. Gleich zum Auftakt hatte der Angeklagte behauptet, die beiden in Koffern verstauten Leichen seien nachträglich «manipuliert» worden, um ihm die Tat in die Schuhe schieben zu können. Er habe die Toten nur in die Koffer gepackt und im Schlossgarten abgestellt, umgebracht hätten sie sich aber gegenseitig beziehungsweise selbst.

Kaum neue Erkenntnisse dürften dem Gericht am Donnerstag die Vernehmungen der ersten nichtpolizeilichen Zeugen gebracht haben. Ein Gastwirt und seine Bedienung berichtete vom Besuch der 42-Jährigen und einer Frau, seinem mutmaßlichen Opfer, am Abend des 29. Mai 2014, der von den Ermittlern vermuteten Tatnacht.

Beide hätten «wie verliebte Menschen» gewirkt, Schnitzel und Souvlaki gegessen, viel getrunken und auch gesungen, berichtete die Kellnerin. Als letzte Kunden seien sie am frühen Morgen des 30. Mai mit einem Taxi weggefahren. Laut Anklage könnte da das mutmaßliche zweite Opfer des 42-Jährigen, ein 50-jähriger Mann aus der Obdachlosen-Szene, schon tot gewesen sein. Laut Ermittler war er mit einem Feuerlöscher erschlagen worden.

Der Prozess wird mit drei Terminen in der nächsten Woche fortgesetzt.