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ARCHIV - Schwerbewacht sitzt Rüstem Z. am 22.11.2016 in Ellwangen (Baden-Württemberg) im Schwurgerichtssaal des Landgerichts.
ARCHIV - Schwerbewacht sitzt Rüstem Z. am 22.11.2016 in Ellwangen (Baden-Württemberg) im Schwurgerichtssaal des Landgerichts. © lsw
01.02.2017

Angeklagter im Rockerprozess zu 13 Jahren Haft verurteilt

Ellwangen (dpa/lsw) - Für die tödlichen Schüsse bei einer Rockerfehde in der schwäbischen Kleinstadt Heidenheim muss der Vizechef einer Straßengang 13 Jahre hinter Gitter. Das Landgericht in Ellwangen verurteilte den 26-Jährigen am Mittwoch wegen Totschlags und versuchten Totschlags.

Für die von der Staatsanwaltschaft geforderte Verurteilung wegen Mordes und versuchten Mordes zu einer lebenslangen Haftstrafe seien die Beweise nicht hinreichend gewesen, erläuterte der Vorsitzende Richter Gerhard Ilg. (Az.: 1 Ks 41 Js 5859)

Es habe zwar deutliche Hinweise für juristisch relevante Mordmerkmale wie niedere Beweggründe und Heimtücke gegeben, jedoch hätten nicht alle Zweifel daran ausgeräumt werden können. Daher sei zugunsten des Angeklagten von Totschlag statt von Mord auszugehen. Die Verteidigung hatte Freispruch verlangt und Notwehr geltend gemacht.

Das Gericht sah es erwiesen an, dass der Angeklagte als «Vizepräsident» der Heidenheimer Rockergang Black Jacket den 29-jährigen «Vizepräsidenten» der Ulmer Gang United Tribunes im April auf der Straße mit drei Schüssen getötet und dessen 25-jährigen Bruder durch einen Schuss schwer verletzt hatte. Den Anspruch des Angeklagten, er habe sich bedroht gefühlt, wies der Richter als nicht glaubwürdig zurück.

Das Prozessfinale wurde wie schon beim Auftakt im November von einem Großaufgebot von bewaffneten Polizisten geschützt - sowohl im Saal, als auch in den Straßen rings um das Gerichtsgebäude. Unter den Zuschauern waren etliche Mitglieder der verfeindeten rockerähnlichen Gruppierungen, wie die Black Jackets und die United Tribunes von den Behörden genannt werden.

Der Angeklagte hatte bereits zu Beginn des Verfahrens im November zugegeben, die beiden Mitglieder der rivalisierenden Ulmer Rockergang vor einem Friseurladen in Heidenheim niedergeschossen zu haben. Der 29-Jährige starb zwei Tage später im Krankenhaus, sein Bruder erlitt einen Bauchschuss. Er trat nun im Prozess als Nebenkläger auf.

Hintergrund der Auseinandersetzung war, dass die United Tribunes den Black Jackets nicht die Vorherrschaft in Heidenheim überlassen wollten. Verteidigerin Anke Stiefel-Bechdolf hatte geltend gemacht, mehrere Mitglieder der Ulmer Gang hätten ihrem Mandanten deshalb vor dem Heidenheimer Friseurgeschäft aufgelauert.

Der Angeklagte habe angenommen, dass die Gegner bewaffnet gewesen seien, als er auf die Straße gegangen sei und sich dort durch eine «Übermacht» bedroht gefühlt habe. Er habe nicht daran glauben können, dass Gegner sich an einen «Ehrenkodex» halten und nur mit den Fäusten kämpfen würden. Er habe aber nicht die Absicht gehabt, jemanden zu töten, sondern allein aus «Angst um sein Leben geschossen», sagte der Angeklagte.

Dagegen erklärte Oberstaatsanwalt Oliver Knopp, der Angeklagte habe aus niederen Beweggründen, zielgerichtet und mit Heimtücke gehandelt. Die Tat sei daher als Mord sowie versuchter Mord einzustufen. Hass auf die rivalisierende Rockergruppe sei ein Motiv dafür gewesen, dass der Angeklagte seine Opfer mit vier gezielten Schüssen niederstreckte.