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Spuren von Ketchup und Currywurst sind in Berlin am Hegel-Denkmal in Mitte zu sehen. Die Büste war am Wochenende von bislang Unbekannten beschmiert worden.
Spuren von Ketchup und Currywurst sind in Berlin am Hegel-Denkmal in Mitte zu sehen. Die Büste war am Wochenende von bislang Unbekannten beschmiert worden. © dpa
13.05.2013

Anti-Schwaben-Aktion in Berlin: Hegel-Denkmal mit Currywurst beschmiert

Wieder eine geschmacklose Aktion gegen zugezogene Schwaben in Berlin: Unbekannte haben das Hegel-Denkmal in Mitte in der Nacht zum Montag mit Currywurst beschmiert. Die Initiative „Schwaben ausbürgern“ brüstete sich im Internet mit der Tat. Dort hieß es: In Berlin lebende Schwaben müssten ihre Wohnungen verlassen und in Übergangsquartiere ziehen.

„Bis zum 31. Dezember 2013 haben die Schwaben die Übergangsquartiere zu verlassen.“ Dann würden sie aus Berlin ausgebürgert und nach Süden verabschiedet. Der Staatsschutz hat laut Polizei die Ermittlungen aufgenommen.

Dass die Schmutzfinken ausgerechnet das Hegel-Denkmal beschmierten, ist nicht ganz einsichtig. Schließlich wurde der 1770 in Stuttgart geborene Philosoph Georg Wilhelm Friedrich Hegel im Jahre1818 von den Berlinern nach Berlin an die Universität gerufen. Die Berliner wollten sich wohl mit seinen schwäbischen Geistesleistungen schmücken. Der schwäbische Kulturexport gen Berlin (diese Art der Hilfeleistung, ergänzt durch finanzielle Zugaben, besteht noch heute) funktionierte tatsächlich: „Seine Vorlesungen wurden schnell populär und ihre Hörerschaft vergrößerte sich weit über das universitäre Umfeld, denn auch Kollegen und Staatsbeamte suchten nun seine Lehrveranstaltungen auf“, heißt es bei „Wikipedia“. 1831 starb Hegel in Berlin – als geehrter und berühmter Bürger.

Aber das scheint man bei „Schwaben ausbürgern“ schon verdrängt zu haben. Und das gilt wohl auch für die unselige Zeit des Dritten Reichs. Erst vor wenigen Tagen hatte eine Wandschmiererei für Empörung gesorgt. Unbekannte hatten auf eine Hauswand in Prenzlauer Berg geschrieben: «Kauft nicht bei Schwab'n» - ein Boykottaufruf, der an den Anfang der Judenpogrome der Nationalsozialisten erinnert.

Die zugewanderten Neu-Berliner werden immer wieder mit dem Vorwurf konfrontiert, die Kehrwoche in Berlin einführen zu wollen, sich begehrte Wohnungen zu sichern und „Weckle“ statt „Schrippen“ zu frühstücken. Schätzungsweise 300.000 Schwaben leben in Berlin.

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