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Auf den ersten Blick sieht es aus wie ein simpler Holzstamm. Doch von diesem Einbaum erhoffen sich Archäologen Erkenntnisse über das Leben unserer Vorfahren vor Jahrtausenden. Die waren offensichtlich geschickte Angler.
Auf den ersten Blick sieht es aus wie ein simpler Holzstamm. Doch von diesem Einbaum erhoffen sich Archäologen Erkenntnisse über das Leben unserer Vorfahren vor Jahrtausenden. Die waren offensichtlich geschickte Angler. © dpa
26.09.2012

Archäologen finden Einbaum aus der Jungsteinzeit

Seekirch. Es ist für Archäologen ein außergewöhnlicher Fund: Im Gebiet des Unesco-Welterbes Prähistorische Pfahlbauten haben sie ein extrem gut erhaltenes Boot aus der Jungsteinzeit gefunden.

Der sechs Meter lange Einbaum habe rund einen Meter tief im Moor des Federseerieds bei Seekirch (Kreis Biberach) gelegen, teilten die Regierungspräsidien Stuttgart und Tübingen am Mittwoch mit. «Er ist zwar in mehrere Stücke zerbrochen, aber in allen Teilen hervorragend erhalten», sagte Denkmalpfleger Helmut Schlichtherle. Es sei das erste Mal, dass man ein so gut erhaltenes Boot im Federseeried untersuchen könne. Die Fachleute hoffen, nun mehr über die Menschen herauszufinden, die vor 3000 bis 7000 Jahren in dem Moor lebten.

Das Federseeried ist eine von 111 Fundstellen, die 2011 als Prähistorische Pfahlbauten um die Alpen auf die Unesco-Welterbeliste genommen wurden. Das 33 Quadratkilometer große Feuchtgebiet gilt dabei als eine der archäologisch ergiebigsten Fundstellen. Die sogenannten Schussenrieder Pfahlbauten wurden dort 1875 entdeckt und seitdem systematisch erforscht. Rund 20 Siedlungen mit jeweils bis zu 30 Häusern sind bislang bekannt. Doch weshalb die Menschen ihre Häuser auf Pfählen mitten ins Moor bauten, gibt Experten noch immer Rätsel auf.

Der nun gefundene Einbaum liege 150 Meter von einer Siedlung entfernt, die etwa 2800 vor Christus errichtet wurde, sagte Schlichtherle. «Er ist sehr dünnwandig. Das war sicher ein leichtes und schnelles Boot, das aber auch sehr schwierig zu fahren war», sagte er. Damit seien die Menschen damals wohl zum Fischen auf den See gefahren oder um Wassernüsse zu sammeln - eine nahrhafte Wasserpflanze, die heute vom Aussterben bedroht ist.

Von dem einst großen Federsee ist heute nur noch ein kleiner Rest übrig. Die Fundstelle des Einbaums liegt kilometerweit vom Wasser entfernt. Durch Entwässerung und landwirtschaftliche Nutzung trocknet das Moor immer stärker aus. Das besorgt Naturschützer und Denkmalschützer gleichermaßen. Denn im trockenen Torf werden jungsteinzeitliche Funde sehr schnell von Mikroorganismen zersetzt.

Die Archäologen arbeiten deshalb in diesem Sommer mit Hochdruck im Federseeried. Mit mehr als 1500 Bohrungen, Sondagen und Vermessungen sei das Gebiet untersucht worden. Dabei wurde auch der Einbaum entdeckt. Gleichzeitig laufen Projekte, um das Moor wieder zu renaturieren. Bis 2014 soll das Ried dann wieder in großen Teilen ein Feuchtgebiet sein.