nach oben
Sauerei: In Schweinemast-Betrieben wurde ein für die Schweineaufzucht verbotenes Medikament im Urin der Tiere gefunden. Jetzt sind 25 Betriebe vorerst gesperrt.
Sauerei: In Schweinemast-Betrieben wurde ein für die Schweineaufzucht verbotenes Medikament im Urin der Tiere gefunden. Jetzt sind 25 Betriebe vorerst gesperrt. © dpa
21.01.2012

Arzneimittel in Schweine-Urin: 25 Betriebe gesperrt

München/Ulm. Das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) hat im Urin von Mastschweinen Rückstände von einem verbotenen Arzneimittel gefunden und insgesamt 25 Mastbetriebe im Raum Ulm und im Allgäu sperren lassen. Wie das Amt am Freitagabend mitteilte, handelt es sich um das sogenannte Breitband-Antibiotikum Chloramphenicol (CAP). Schlachttieren dürfe dies seit 1994 nicht mehr verabreicht werden. Verbraucher seien jedoch nicht in Gefahr. Entdeckt wurden die Rückstände den Angaben zufolge bei Routinekontrollen im Rahmen des Nationalen Rückstandskontrollplans.

Umfrage

Arznei im Schweinefutter: Soll die Tiermast total auf Medikamente im Futter verzichten müssen?

Ja 89%
Nein 8%
Mir egal 3%
Stimmen gesamt 253

Laut LGL ist die Ursache bereits geklärt. Demnach nahmen die Schweine das Mittel über ein aus der Allgäuer Ehrmann-Molkerei stammendes Futtermittel auf. «Als Ursache für die Kontamination wurden Laborabfälle des Molkereibetriebes ermittelt, die unsachgemäß entsorgt worden sind», teilte das Landesamt mit. Alle ermittelten 25 Betriebe, die das belastete Futtermittel verwendet haben könnten, seien sofort gesperrt worden. Wann sie wieder freigegeben werden könnten, war zunächst nicht bekannt.

Ein Ehrmann-Sprecher bestätigte am Abend, dass menschliches Versagen zu der Verunreinigung geführt habe. Ehrmann-Produkte seien aber nicht betroffen, da die Prozesse getrennt seien. Die Molkerei habe das rechtlich zugelassene Hilfsmittel CAP in der Qualitätssicherung zur Beschleunigung mikrobiologischer Untersuchungen genutzt. Es sei wegen eines Fehlers in das sogenannte Weißwasser gelangt. Weißwasser, das bei der Produktion in der Molkerei anfällt und noch Milchbestandteile enthält, werde von einigen Betrieben aus dem Umland abgeholt und vor allem bei Schweinen dem Futter beigegeben. Ehrmann sei mit den Betrieben und dem LGL in engem Kontakt und werde künftig auf die Verwendung von Chloramphenicol verzichten, sagte der Sprecher.

Das Thema der Arzneimittel bei Schlachttieren ist umstritten. Bundesagrarministerin Ilse Aigner (CSU) hat erst kürzlich einen neuen Gesetzentwurf zur Eindämmung des Antibiotika-Einsatzes in der Tiermast vorgelegt. Über den Verzehr von Lebensmitteln können Menschen Keime einnehmen, die gegen Antibiotika unempfindlich sind. Das kann dazu führen, dass die Arznei bei Krankheiten nicht mehr wirkt. dpa

Leserkommentare (0)