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In den Metropolen verabschieden sich immer mehr Menschen von ihrem Pkw – in ländlichen Gebieten wird das schwierig. Foto: dpa
In den Metropolen verabschieden sich immer mehr Menschen von ihrem Pkw – in ländlichen Gebieten wird das schwierig. Foto: dpa
13.11.2017

Auf dem Land geht‘s nur mit dem Auto

Naht der Abschied vom Statussymbol? Eine umweltverträgliche Mobilität der Zukunft kann nach Ansicht einer großen Studie nur mit weniger Autos gelingen. Es brauche eine neue Mobilitätskultur, in der es Menschen leichter fällt, umzusteigen und auf den eigenen Wagen zu verzichten, sagte Brigitte Dahlbender, Landeschefin des Umweltverbandes BUND, der die Studie initiiert hat.

Drei Szenarien wurden in der Studie „Mobiles Baden-Württemberg“ mit Blick auf das Jahr 2050 erstellt. Unter dem Strich erhält nur das eine Szenario viele grüne Lichter, das auf einen attraktiven Nahverkehr mit Bussen und Bahnen inklusive Mitfahrzentralen und weit verbreiteten Angeboten an Bike- und Carsharing setzt.

Die Klimaziele etwa ließen sich nur dann erreichen, wenn der Besitz eines eigenen Autos den Menschen nicht mehr so wichtig sei, verdeutlichte Wiebke Zimmer vom Öko-Institut, das mit verschiedenen Forschungsinstituten die Studie im Auftrag der Baden-Württemberg Stiftung erarbeitet hat. „Mit einem ‚Weiter so‘ der Verkehrspolitik verfehlen wir die Nachhaltigkeitsziele“, sagte Dahlbender. „Die neue Mobilitätskultur ist klimaschonend, gesundheitsverträglich, flächensparend zu gestalten.“

Dahlbender weiß natürlich, dass es solche Thesen im Autoland Baden-Württemberg schwer haben, schließlich hängt hier fast jeder sechste Arbeitsplatz (gut 220 000) an der Autoindustrie. Ganz bewusst sei die Studie daher auf eine breite Basis gestellt worden. CDU-Fraktionschef Wolfgang Reinhart betonte gestern, Politik und Industrie müssten den Wandel „klug begleiten“ – vor allem, um den drohenden Arbeitsplatzverlust aufzufangen. Die Politik sei gefordert, sagte auch Grünen-Fraktionschef Andreas Schwarz. Welche Hausaufgaben zu machen seien, stehe mit der Studie fest. Ziel müsse es sein, Baden-Württemberg zum „Wegbereiter einer modernen und nachhaltigen Mobilität zumachen“. Neben Investitionen in die Schiene sowie in den Nahverkehr und in Radwege müsse man die Autoindustrie auf ihrem Weg weg vom Verbrennungsmotor begleiten.

IG-Metall-Bezirksleiter Roman Zitzelsberger bezeichnete es als „richtigen Weg“, auf Elektrifizierung, neue Antriebstechnologien und autonomes Fahren zu setzen. Während Reinhart aber Fahrverbote für schmutzigere Autos weit von sich wies, forderte Schwarz erneut die Blaue Plakette, mit der ältere Fahrzeuge aus den mit Luftschadstoffen stark belasteten Innenstädten verbannt werden können. Mit so etwas könne die Politik auf Marktveränderungen drängen, die nötig sind. Ansonsten würden auch die Grünen darauf bauen, das Angebot an diversen Auto-Alternativen zu verbessern.

Nach Ansicht des Berliner Mobilitätsforschers Andreas Knie wird das mittelfristig aber nur in den Metropolen gelingen können. „Auf dem Land sieht das ganz anders aus“, sagte der Professor des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung. Im „Siedlungsbrei“, wo das größte Glück ein Einfamilienhaus und ein eigenes Auto vor der Haustür sei, werde es unendlich schwer, die Menschen etwa aus Klimaschutzgründen zum Umstieg auf Busse und Bahnen zu bringen. Zumal das Angebot an Alternativen mit dem in der Stadt überhaupt nicht zu vergleichen ist. In Millionenstädten wie München, Hamburg und Berlin hätten die Menschen längst damit begonnen, sich vom eigenen Auto zu lösen, sagte Knie. Stuttgart sei aber schon fast die einzige Stadt im Südwesten, wo eine ähnliche Entwicklung möglich sei.