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Fahrradbegeistert: der baden-württembergische Verkehrsminister Winfried Hermann. Foto: dpa
Fahrradbegeistert: der baden-württembergische Verkehrsminister Winfried Hermann. Foto: dpa
03.01.2016

Auf zwei Rädern gegen Feinstaub und Stau

Dicke Luft im Raum Stuttgart. Nach dem Silvesterfeuerwerk war die Luft stark mit Feinstaub verunreinigt. Der Höchstwert wurde in Bernhausen (Landkreis Esslingen) mit 150 Mikrogramm je Kubikmeter gemessen. Es folgten Stuttgart mit 139 Mikrogramm am Neckartor und 134 Mikrogramm in Bad Cannstatt. Doch auch an normalen Tagen stinkt es vielen Bürgern gewaltig. Im Autofahrerland Baden-Württemberg sollen deshalb mit einer neuen Strategie mehr Menschen zum Radfahren bewegt werden. Vor allem in der staugeplagten Landeshauptstadt sieht der grüne Verkehrsminister Winfried Hermann großen Nachholbedarf.

Gegen die hohe Luftverschmutzung mit Feinstaub und für eine bessere Gesundheit der Baden-Württemberger will das Land den Radverkehr bis 2020 auf 16 Prozent verdoppeln. „Was wir brauchen, ist eine neue Radkultur“, sagte Hermann. „Lange Zeit war in der Stadtentwicklung das Leitbild der autogerechten Stadt vorherrschend. Die Bedürfnisse der Radfahrer kamen zu kurz“, meinte er. Vor allem in der Landeshauptstadt sieht er Nachholbedarf. Die neue Radverkehrsstrategie soll noch im Januar vorgestellt werden.

Dabei geht es nicht nur um mehr Infrastruktur, sondern auch um Werbung für die gesundheitlichen Vorteile des Transportmittels, wie der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) mitteilte. „Wer mit dem Fahrrad zur Arbeit fährt, bleibt eher gesund“, sagte die ADFC-Landesvorsitzende Gudrun Zühlke. Betriebe könnten Arbeitnehmer etwa durch Stellplätze, Umkleiden und Duschen sowie Trockenräume dazu bewegen, auf das Auto zu verzichten und auf das Rad umzusteigen.

In den vergangenen Jahren habe es in einigen Städten im Südwesten große Fortschritte geben, meinte Zühlke. Als Beispiele nannte sie Karlsruhe, besonders aber auch Pforzheim, das im bundesweiten Vergleich lange zu den fahrradunfreundlichsten Orten zählte. In Freiburg wiederum gebe es aus Radfahrersicht eher das „Luxusproblem“, den Verkehr für die Vielzahl der Radler mit einem modernen Leitsystem zu erleichtern. Die CDU warnte vor einer Überbetonung des Radverkehrs. „Die einseitige Bevorzugung von Fahrradwegen löst nicht die Verkehrsprobleme des Landes“, sagte der Spitzenkandidat der Partei zur Landtagswahl, Guido Wolf. „Wir setzen auf eine Verkehrspolitik, die für jede Strecke das passende Verkehrsmittel bereitstellt.