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Jörg Müller ist Chef des Landgerichts Karlsruhe – und hat Respekt vor dem Mafia-Prozess. Foto: Lorch-Gerstenmaier
Jörg Müller ist Chef des Landgerichts Karlsruhe – und hat Respekt vor dem Mafia-Prozess. Foto: Lorch-Gerstenmaier
14.09.2018

Aus Angst vor der Mafia: Landgericht in Karlsruhe wird zur Festung

Karlsruhe/Konstanz. So wenig Unbeteiligte wie möglich im Haus, intensive ganztägige Zugangskontrollen, ein separater Eingang, keine Nutzungsmöglichkeit des Innenhofs, der Einsatz von Polizei-Spezialeinheiten und der Sicherheitsgruppe der Gerichte und Staatsanwaltschaften (SGS) – das Landgericht Karlsruhe an der Hans-Thoma-Straße wird am Freitag, 21. September, und Dienstag, 2. Oktober, zur Festung.

Es sind die ersten zwei von voraussichtlich 67 Verhandlungstagen gegen neun mutmaßliche Mafiosi, vertreten durch 18 Verteidiger.

Eigentlich spielt der Fall, bei dem es um Drogengeschäfte im großen Stil, Körperverletzung, Brandstiftung, Raub und versuchten Mord geht, im Schwarzwald-Baar-Kreis, doch das zuständige Landgericht Konstanz hat zum Prozessauftakt keine geeigneten Räumlichkeiten frei. Deshalb stellte die Karlsruher Justiz die Räumlichkeiten zur Verfügung, um den Prozess nicht platzen zu lassen.

Von den Auswirkungen hat Jörg Müller, Präsident des Landgerichts Karlsruhe, seine Kollegen am Donnerstag in einem internen Schreiben in Kenntnis gesetzt – denn es sei nicht nur mit Medieninteresse zu rechnen, wenn die Männer im Alter zwischen 26 und 57 Jahren, die Verbindung zur sizilianischen und kalabresischen Mafia haben sollen, zum Teil aus Untersuchungshaft vorgeführt werden. Es sei, so Müller, „nicht auszuschließen, dass Unterstützer aus dem Umfeld Angeklagte zu befreien versuchen“.