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Mord und schwere Vergewaltigung: Die Gefahr, dass Hussein K. wieder solche Taten begeht, sei hoch – sagt ein psychiatrischer Gutachter im Prozess. Foto: dpa-Archiv
Mord und schwere Vergewaltigung: Die Gefahr, dass Hussein K. wieder solche Taten begeht, sei hoch – sagt ein psychiatrischer Gutachter im Prozess. Foto: dpa-Archiv
02.03.2018

Aus Enzkreis stammende Studentin getötet: Hussein K. droht lebenslange Haft

Im Freiburger Mordprozess gegen den Flüchtling Hussein K. hat der psychiatrische Gutachter vor einer hohen Wiederholungsgefahr gewarnt. Der Angeklagte habe eine große und anhaltende Gewaltbereitschaft, Interesse an aggressiven Sexualpraktiken sowie eine frauenfeindliche Einstellung, sagte der Sachverständige Hartmut Pleines vor dem Landgericht Freiburg. Zudem zeige er keine Reue und kein Mitgefühl dem Leid anderer Menschen gegenüber. Es müsse davon ausgegangen werden, dass er erneut gewalttätig werde, eine Sicherungsverwahrung sei sinnvoll.

Dem vor der Jugendkammer angeklagten Hussein K., dessen Alter unbekannt ist und der seit November 2015 als unbegleiteter minderjähriger Flüchtling in Freiburg lebte, werden Mord und besonders schwere Vergewaltigung vorgeworfen. Er hat zugegeben, im Oktober 2016 nachts in Freiburg eine 19 Jahre alte Studentin aus dem Enzkreis bis zur Bewusstlosigkeit gewürgt und vergewaltigt zu haben. Die Frau ertrank im Wasser des Flusses Dreisam.

Gestern beendete das Gericht, nach knapp einem halben Jahr Prozessdauer und 22 Verhandlungstagen die Beweisaufnahme. Das Urteil werde am 22. März verkündet, sagte die Vorsitzende Richterin Kathrin Schenk. Die Plädoyers werden laut Gericht am 9. März und 12. März gehalten, jedoch voraussichtlich unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Da Teile der Verhandlung aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes hinter verschlossenen Türen stattfanden, müssten auch die Plädoyers sowie das letzte Wort des Angeklagten nichtöffentlich sein, sagte Schenk. Dies schreibe das Gesetz so vor.

In Betracht komme, obwohl das Alter des Angeklagten nicht genau feststehe, eine Verurteilung nach Erwachsenenstrafrecht, sagte Schenk. Es droht bei einer Verurteilung wegen Mordes dann eine lebenslange Haftstrafe sowie möglicherweise anschließende Sicherungsverwahrung. Nach Jugendstrafrecht ist dies nicht möglich, hier sind Strafen in der Regel geringer.

Die Vertreterin der Jugendgerichtshilfe, die sozialpädagogische Gesichtspunkt berücksichtigt, sprach sich für eine Verurteilung nach Erwachsenenstrafrecht aus. Auch Psychiater Pleines sagte, es handele sich bei Hussein K. nicht um einen Jugendlichen. Er widersprach mit seinem Gutachten wesentlichen Aussagen des Angeklagten. Er hatte angegeben, betrunken gewesen zu sein und im Affekt gehandelt zu haben. Pleines sagte dagegen, es habe sich um eine zielgerichtete und durchdachte Tat gehandelt. Die Aussagen des Angeklagten seien nicht glaubwürdig.