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Die Außenansicht zeigt die Nachbauten der keltischen Heuneburg bei Herbertingen. 2010 wurden dort in einem frühkeltisches Prunkgrab zahlreiche Schmuckstücke gefunden. Dem Freilichtmuseum Heuneburg im Kreis Sigmaringen mit seiner keltischen Kulisse droht das Aus.
Die Außenansicht zeigt die Nachbauten der keltischen Heuneburg bei Herbertingen. 2010 wurden dort in einem frühkeltisches Prunkgrab zahlreiche Schmuckstücke gefunden. Dem Freilichtmuseum Heuneburg im Kreis Sigmaringen mit seiner keltischen Kulisse droht das Aus. © dpa
12.12.2012

Aus fürs Freilichtmuseum: Ende mit Galgenfrist für "Schwäbisches Troja"

Ausgerechnet im «Jahr der Kelten» fällt die Schicksalsentscheidung für das Freilichtmuseum Heuneburg: Die Gemeinde Herbertingen (Kreis Sigmaringen) will die Mietverträge mit dem Land bis Ende Oktober 2013 kündigen. Für den Betrieb des Freilichtmuseums und eines weiteren Museums im Ort schlägt jedes Jahr ein Minus von über 150.000 Euro zu Buche.

Für die Sanierung maroder Straßen und der veralteten Kanalisation fehlt im Gemeindesäckel dagegen jeder Groschen. Aus Geldnot löst sich die finanziell überforderte, selbst ernannte «Kultur- und Freizeitgemeinde» deshalb von ihrem höchsten Gut - und sieht sich harscher Kritik ausgesetzt.

Auf dem ehemaligen Fürstensitz an der Schwäbischen Alb zogen keltische Bauherren die wohl älteste Stadt nördlich der Alpen in die Höhe. In der Blütezeit im sechsten Jahrhundert v. Chr. beherbergte die Kelten-Metropole an der Donau bis zu 10 000 Menschen. Nicht umsonst nennen Experten die Heuneburg auch das «Schwäbische Troja».

Landesarchäologe Dirk Krausse ist fassungslos: «Aus meiner Sicht besteht bereits jetzt eine erhebliche Diskrepanz zwischen der enormen überregionalen Bedeutung der Heuneburg und der Vermittlung und Vermarktung dieses archäologischen Denkmals.» Mit der Schließung des Freilichtmuseums würde diese Schieflage zusätzlich verschärft. Vom Ausstieg der Gemeinde sind der Denkmalschutz und die Arbeit der Archäologen jedoch nicht betroffen.

Anton Bischofberger, Vorsitzender des Heuneburgvereins, sieht das kulturelle Erbe gefährdet: «Der Stellenwert der Heuneburg ist gigantisch. Mit dieser Entscheidung geht die Gemeinde einen Alleinweg und damit einen Schritt zurück.» Die Verwaltung sehe in der Heuneburg eine Haushaltslast und wolle die Kosten loshaben, vermutet er. Den umliegenden Gemeinden wirft er vor, keine kommunale Trägerschaft zustande bekommen zu haben. «Es gibt kein funktionierendes Museumskonzept, weil hier jeder sein eigenes Süppchen kocht.»

Wer für die laufenden Betriebskosten der Museen aufkommen soll, darüber streiten Land und Gemeinde schon seit Jahren. Auch mit der neuen Landesregierung verliefen die Verhandlungen zäh. Anfang des Jahres hatte Herbertingen schließlich Grün-Rot die Pistole auf die Brust gesetzt: Das Land sollte als Träger für das Freilichtmuseum in die Bresche springen, ansonsten sei das Aus besiegelt. Das zuständige Finanzministerium blieb bis zum Ende hart. Es werde kein Geld für Betriebskosten fließen, hieß es am Mittwoch. Das Ministerium verweist auf zahlreiche Investitionen in Millionenhöhe in den vergangenen Jahren für die archäologischen Bergungen und Arbeiten.

Hat die Gemeinde mit ihrer Drohkulisse zu hoch gepokert? Der Rat hält sich ein Hintertürchen offen und hat sich für ein Ende mit Galgenfrist entschieden. Das Freilichtmuseum mit jährlich bis zu 30 000 Besuchern wird eine weitere Saison geöffnet.

«Der Entschluss ist ein deutliches Signal, um mit dem Land in einer neuen Position zu reden. Aber wir hauen nicht die Tür so zu, dass man das in Stuttgart hört», sagt Bürgermeister Michael Schrenk, dem Kritiker immer wieder ein mangelndes Fingerspitzengefühl bei Verhandlungen vorgeworfen haben. Allen Dementis und Absagen zum Trotz sagt er: «Wir haben noch mal ein Jahr gewonnen. Es geht weiter.»