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Azubis aus der Region haben für die Übernahme demonstriert.
Azubis aus der Region haben für die Übernahme demonstriert. © Privat
08.05.2012

Azubis aus der Region demonstrieren für Übernahme

Begleitet von massiven Protesten der IG Metall-Jugend begann am Dienstagabend in Sindelfingen die vierte Tarifrunde für die 800.000 Beschäftigten der baden-württembergischen Metall- und Elektroindustrie. Dort demonstrieren rund 4000 junge Menschen, darunter mehr als 100 aus Pforzheim für die Forderungen der Gewerkschaft nach 6,5 Prozent mehr Lohn und der Übernahme aller Azubis. Beteiligt haben sich Auszubildende von Behr, Witzenmann, Harman Becker, Wisi und Abele.

Unmittelbar vor der vierten Runde der Metall-Tarifverhandlungen im Südwesten haben die Arbeitgeber Entgegenkommen von der Gewerkschaft gefordert. «Die IG Metall muss sich bewegen - und nicht nur auf der Straße», sagte der Sprecher von Südwestmetall, Volker Steinmaier, am Dienstag in Stuttgart. Am Nachmittag wollten die Tarifvertragsparteien in Sindelfingen (Kreis Böblingen) erneut zusammentreffen. Ein nächster Termin ist ebenfalls dort für den 15. Mai angesetzt.

Die IG Metall droht mit einem unbefristeten Arbeitskampf, sollte bis Pfingsten keine Lösung für ihre Forderungen nach 6,5 Prozent mehr Lohn, unbefristete Übernahme der Ausgebildeten und mehr Mitbestimmung bei Leiharbeit gefunden werden.

Steinmaier unterstrich, mit dem «fairen Angebot» von drei Prozent mehr Lohn für 14 Monate sei der Boden bereitet für einen Kompromiss am Verhandlungstisch. Die IG Metall sei von ihren bereits im vergangenen Sommer aufgestellten qualitativen Forderungen noch keinen Schritt abgewichen.

Dagegen bekräftigte IG Metall-Bezirksleiter Jörg Hofmann vor mehr als 4000 Warnstreikenden des Daimler-Werks in Stuttgart-Untertürkheim die Forderungen für die 3,6 Millionen Beschäftigten der Branche. «Das dicke Plus an Produktion und Produktivität wollen sich die Arbeitgeber als bares Geld in die eigene Tasche stecken und gleichzeitig ihre Beschäftigten mit einer Entgelterhöhung abspeisen, die gerade mal die Inflation ausgleicht», sagte Hofmann. Ein Blick in die Unternehmensbilanzen zeige, dass sich die Arbeitgeber deutlich mehr leisten können. «Das Vorgelegte taugt nicht als Kompass zum Ziel.» Bei den qualitativen Themen müsse der Verband endlich seinen «Herr-im-Hause-Standpunkt» aufgeben.

Zugleich begannen die Verhandlungen über einen neuen Haustarifvertrag bei Volkswagen. Die IG Metall fordert ebenfalls 6,5 Prozent mehr Geld für die rund 102 000 Beschäftigten der sechs westdeutschen VW-Werke und der VW-Finanztochter.

Vor dem Treffen im Sindelfingen machte die Gewerkschaft in mehreren Bezirken weiter Druck. Am frühen Morgen waren 800 Beschäftigte des Daimler-Werkes in Sindelfingen in den Ausstand getreten. In Bayern sind 10 000 Beschäftigte in mehreren Betrieben zu Arbeitsniederlegungen aufgerufen. Schwerpunkt sollte Donauwörth sein, wo die Belegschaften mehrerer Betriebe gemeinsam demonstrieren wollten. In Nordrhein-Westfalen sind Arbeitsniederlegungen in mehr als 250 Unternehmen geplant. Den Auftakt machte am frühen Dienstagmorgen die Nachtschicht der Ford-Werke in Köln.

Arbeitgebersprecher Steinmaier kritisierte die Warnstreiks als unnötig und schädlich für die Branche: «Solange noch verhandelt wird, sehen wir keine Veranlassung für solche Arbeitsniederlegungen.» Sie richteten Produktionsausfälle in Millionenhöhe an.

Zum Plädoyer von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) für höhere Lohnsteigerungen in Deutschland als in anderen Ländern sagte er: «Die Lohnfindung ist Sache der Tarifpartner.» Eine Einmischung der Politik sei nicht angezeigt, denn diese habe die Folgen einer Entgelterhöhung nicht zu tragen. dpa

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