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Nicht nur in den Pforzheimer Bädern fehlt es an Personal. Der Fachkärftemangel gilt bereits als bundesweites Problem.

Bademeister zu schlecht bezahlt – Schwimmspaß steht bundesweit auf der Kippe

Stuttgart/Pforzheim. Fachkräftemangel gibt es in vielen Bereichen. Zur Sommerzeit macht sich dies aber zunehmend bei Badeanstalten bemerkbar. Auch in Pforzheim hat der Leiter des Bereichs Bäder beim Pforzheimer Eigenbetrieb, Georg Busch, schon seit einigen Jahren Probleme damit, die Schichtdienste zu besetzen (PZ berichtete). Während bereits Rettungsschwimmer nur schwer zu finden seien, endet die Suche nach geeigneten Bademeistern meist in einer ausweglosen Sackgasse.

Nicht alle dürfen rein

Gäste des Familien- und Freizeitbads in Reichenbach, einem Stadtteil von Lahr, werden derzeit sogar weggeschickt. Lediglich Mitglieder des Schwimmvereins dürfen sich auf den dortigen Stühlen und Decken räkeln, weil sich schlicht und ergreifend kein Bademeister finden ließ. Nun übernehmen zwar Rettungsschwimmer die Aussicht und bieten damit Sicherheit, dies reiche allerdings nicht aus, um die vielfältigen Aufgaben einer Fachkraft zu bewältigen. „Und das ist ein Problem, das sich künftig verschärfen dürfte“, sagt die Vereinsvorsitzende Conny Herr. Es werde immer schwieriger, die Stellen zu besetzen.

Die Gründe seien vielschichtig. Weder Bezahlung noch Arbeitszeiten gelten als attraktiv, sagt Herr. Außerdem erschwerten zunehmend renitente Badegäste den Job am Beckenrand. «Zumindest solange sich an den Bedingungen grundsätzlich nichts ändert, bleibt es schwierig, gute Bademeister zu finden», fügt Herr hinzu.

„Kein Einzelfall“, sagt der Vorsitzende des baden-württembergischen Landesverbandes Deutscher Schwimmmeister, Edgar Koslowski. Er spricht von einem Fachkräftemangel, der sich mitnichten nur im Südwesten zeige. «Wie in anderen Branchen, so ist das auch ein deutschlandweites Problem», sagt Koslowski, der als Bademeister in Ettenheim (Ortenaukreis) arbeitet. Er schätzt, dass allein im Südwesten bis zu hundert Bäder Probleme mit der Besetzung von Stellen haben. Das gelte sowohl für private als auch für kommunal betriebene Bäder.

Zu geringe Bezahlung

Manche Bäder müssten aufgrund des Personalmangels Öffnungszeiten verändern oder zeitweise den Betrieb einstellen. „Es gibt einen Engpass bei der Ausbildung, der wirkt sich nun aus“, sagt der 59 Jahre alte Verbandsfunktionär.

Seiner Einschätzung zufolge sind viele junge Menschen im Sommer nicht mehr bereit, sieben Tage in der Woche bei der Arbeit zu verbringen, zumal die Bezahlung zu wünschen übrig lasse. Ein ausgelernter Facharbeiter komme als Berufseinsteiger im Monat auf etwa 1400 Euro netto. Das sei zu wenig für den Job - zumal junge Leute zunehmend an die Hochschulen und Universitäten strömten, anstatt sich für eine Ausbildung zu begeistern. Abgesehen vom sinkenden Interesse, werde die Arbeit auch schwieriger - unter anderem, weil es mehr Nichtschwimmer gebe als früher.

Mühlacker packt Problem an

Dem Betriebsleiter der Mühlacker Bäder, Andreas Pfisterer, ist die Situation ebenfalls bereits bekannt. Auch in der Senderstadt habe man in der Vergangenheit Schwierigkeiten gehabt offene Stellen zu besetzten. Aus diesem Grund bilde man dort nun verstärkt aus. „Aktuell haben wir zwei Auszubildende zum Fachangestellten für Bäderbetriebe, für September wollen wir einen dritten einstellen“, so Pfisterer. Das Argument, dass Bademeister schlecht bezahlt werden, könne man in Mühlacker damit bekämpfen, dass Angestellte nach dem Tarif der Versorgungsbetriebe vergütet werden. Somit sei die Bezahlung besser als die bei Tarifverträgen.

Auch der Gemeindetag in Baden-Württemberg hält es für möglich, dass der zunehmende Fachkräftemangel sich negativ auf die Bäder im Land auswirkt. Die oft von Kommunen betriebenen Schwimmbäder seien in der Regel Zuschussbetriebe, deren Unterhalt teuer ist. Insbesondere für Hallenbäder aus den 1970er und 1980er Jahren bestehe teilweise hoher Investitionsbedarf. „Wir gehen nicht davon aus, dass Bäder nur aufgrund des Fachkräftemangels geschlossen werden müssen“, sagte eine Sprecherin.

Wie es in der vergangenen Saison um die Pforzheimer Bäder stand, lest ihr hier: Personalnot in den Pforzheimer Bädern: Was bedeutet das für die Öffnungszeiten?