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Wahlplakat der Südweststaatler für die Wahl zur Entstehung des neuen Südweststaats. Baden fühlt sich nicht ausreichend gewürdigt in der Zwangsehe mit Württemberg. Die 900-Jahr-Feier im kommenden Jahr soll das ändern.
Wahlplakat der Südweststaatler für die Wahl zur Entstehung des neuen Südweststaats. Baden fühlt sich nicht ausreichend gewürdigt in der Zwangsehe mit Württemberg. Die 900-Jahr-Feier im kommenden Jahr soll das ändern. © DPA
28.12.2011

Baden mit zwei Geburtstagen und halber Freude

Karlsruhe. Das Jahr 2012 soll das Jahr der Badener werden. Mit den Feierlichkeiten zum 900-jährigen Bestehen des Landes wollen die Organisatoren die Bedeutung der Region herausstellen - und ihre Rolle in der Verbindung mit Württemberg stärken. Die Badener fühlen sich in der nach dem Zweiten Weltkrieg beschlossenen Fusion nach wie vor als kleinerer Partner nicht genug gewürdigt. Und jetzt ist selbst ihr großer Geburtstag in Gefahr.

Denn justament im kommenden Jahr feiert auch das Land Baden-Württemberg sein 60-jähriges Bestehen. «Wir befürchten, dass damit viele Kräfte abgezogen werden und unser Jubiläum untergeht», ärgert sich Robert Mürb, Vorsitzender der Landesvereinigung Baden in Europa. Seine Bitte an das Staatsministerium, die 900-Jahr-Feier ebenso zu unterstützen wie den 60. Geburtstag, sei nicht erhört worden. «Zur Begründung hieß es, das Land sei weniger an der Vergangenheit interessiert als an der Zukunft», sagt Mürb kopfschüttelnd.

Nach zähen Verhandlungen habe er es immerhin erreicht, dass die 60-Jahr-Feier nicht nur in Stuttgart mit einem Festakt begangen werde. «Das würde wieder das Vorurteil bestätigen, dass die Württemberger alles an sich ziehen.» Eine zweite Großveranstaltung soll jetzt in Karlsruhe organisiert werden - dann auch mit dem Blick auf die 900 Jahre alte Geschichte. Einen Termin gibt es allerdings noch nicht.

Für Mürb hat diese Ignoranz Methode. Bereits 2006 planten die Württemberger zur Gründung des Königreichs Württembergs vor 200 Jahren eine große Feier. Dabei übersahen sie, dass im selben Jahr auch das Großherzogtum Baden entstanden war. Erst als Baden aufbegehrte, wurden die Feste weitgehend gleichberechtigt begangen. «Wir müssen immer kämpfen, wenn wir was erreichen wollen.»

Hinzu kommt, dass die Badener den Geburtstag Baden-Württembergs am 25. April 1952 in Zweifel ziehen. Er beruht nämlich auf der Volksabstimmung am 9. Dezember 1951. Damals stimmten zwar fast 70 Prozent dafür, die Mehrheit der Badener (52 Prozent) war jedoch dagegen. Deshalb verfügte das Bundesverfassungsgericht 1956, dass die Abstimmung wiederholt werden muss, was dann 1970 geschah. Damals war das Land bereits so stark zusammengewachsen, dass sich nur noch eine Minderheit widersetzte. «Trotzdem ist es fraglich, ob so ein juristisch fragwürdiges Datum als Geburtsstunde taugt», sagt Mürb.

Der Badener Jahrestag steht allerdings auch auf wackeligen Füßen. Er ist dem Umstand geschuldet, dass sich im Jahr 1112 Markgraf Hermann II. in einer Urkunde erstmals als Graf von Baden bezeichnete, benannt nach der Burg Hohenbaden bei Baden-Baden. «Meine Familie und die Region bestanden jedoch schon vorher», stellt Urahn Prinz Bernhard von Baden klar.

Er erhofft sich von den Feierlichkeiten, dass die Stärken Badens herausgestellt werden. In der Region sei es gelungen, trotz unterschiedlicher Mentalitäten vom lebensfrohen Kurpfälzer zum arbeitsamen Schwarzwaldbauern ein Wir-Gefühl zu entwickeln. Davon könne auch das noch junge Bundesland profitieren.

Das sieht der Landesvorsitzende des Badischen Heimatvereins, Sven von Ungern-Sternberg, genauso. «Für mich wird der Höhepunkt der Feier sein, wenn die Geschichte zum Leben erweckt und für die Gegenwart nutzbar gemacht wird.» Im Zeitalter der Globalisierung sehnten sich Menschen nach überschaubaren Strukturen und regionalen Identitäten.

Das bedeutet aber nicht, dass die Badener alte Ressentiments gegen Württemberg aufleben lassen wollen oder gar zum Separatismus aufrufen. Das Land Baden-Württemberg sei eine Erfolgsgeschichte, die niemand infrage stelle, sagen Ungern-Sternberg und der Prinz von Baden übereinstimmend. Und auch Mürb zeigt sich als Freund des Föderalismus: «Wir haben nichts gegen Württemberger, wir haben nur etwas gegen den Zentralismus.» Und dagegen könne die Politik ein klares Zeichen setzen: mit einer Doppelgeburtstagsfeier in Karlsruhe. dpa