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Zu viele und hohe Gewinne musste das Spielcasino in Baden-Baden zum Jahresanfang auszahlen. Deshalb rutschte die Spielbank erstmals in ihrer Geschichte ins Minus. © dpa
06.02.2011

Baden-Badener Spielbank erstmals ins Minus gerutscht

BADEN-BADEN. Die Glückssträhne einiger Spieler hat das Casino Baden-Baden erstmals seit seiner Gründung vor rund 60 Jahren in die Miesen rutschen lassen. «Wir hatten im Januar einen Verlust von rund einer halben Million Euro», sagte Spielbank-Direktor Marcus Brandenburg. Normalerweise kommt das Casino im Monat auf Einnahmen von rund 1,5 Millionen Euro.

Bildergalerie: Zu viele Gewinner: Baden-Badener Spielbank erstmals ins Minus gerutscht

Brandenburg kann dem Loch in der Kasse allerdings auch eine gute Seite abgewinnen: «Es werden wieder höhere Einsätze gespielt. Und wenn die Gewinner erneut setzen, haben wir gute Chancen, das Geld zurückzubekommen», sagte er und fügte hinzu: «Abgerechnet wird am Jahresende.» Außerdem seien solche Spieler echte Werbeträger. «Wenn sie eine Batterie von Chips im Wert von mehreren 100.000 Euro vor sich aufbauen, entspricht das genau dem Casino-Klischee.»

Der größte Glückspilz war ein arabischer Geschäftsmann, der das Casino mit einem Gewinn von 350.000 Euro verließ. Hinzu kamen einige Spieler aus der Schweiz und Deutschland, die zwischen 60.000 und 100.000 Euro mitnahmen. «Da wurden beim Roulette pro Spiel auch mal zwischen 10.000 und 15.000 Euro auf verschiedene Kombinationen gesetzt», erzählte Brandenburg.

In der Branche werden risikofreudige Spieler als «high roller» bezeichnet. Vor allem US-amerikanische Casinos umwerben sie mit unbegrenzten Einsätzen und Luxusunterkünften. «Voraussetzung ist, dass die Spieler mindestens eine Million Euro auf ein spezielles Spielbankkonto einzahlen», erläuterte Brandenburg.

Deutschland sei mit seinen strengen Auflagen und den begrenzten Einsätzen für solche Spieler eigentlich uninteressant. «Deshalb sehen wir es mit einer gewissen Spannung, wenn plötzlich viel Geld eingesetzt wird», sagte der Casino-Chef.

Um für risikofreudige und zahlungskräftige Spieler attraktiver zu werden, fordert er seit längerem eine Erhöhung des Limits von bislang 400 auf 500 Euro pro Einzelzahl im Roulette. Damit würde sich der Höchstgewinn bei einer Zahl von etwa 14.000 auf 18.000 Euro erhöhen. «Das Regierungspräsidium hat dies bislang allerdings abgelehnt.»

Unter den «high rollern» sind nach Angaben von Brandenburg einige Spieler, die vor rund 20 Jahren - der Hochzeit des Casinos - zum letzten Mal am Tisch standen. Damals verdiente Baden-Baden im Jahr bis zu 100 Millionen Mark (etwa 50 Millionen Euro).

Davon ist das Casino heute weit entfernt. 2010 kamen gerade einmal 18 Millionen Euro in die Kasse, von denen 80 Prozent das Land kassierte. Das waren acht Prozent weniger als 2009. Die Zahl der Spieler sank um fünf Prozent auf 205.000. «Damit stehen wir allerdings deutschlandweit noch gut da. In Bayern haben Casinos bis zu einem Drittel ihrer Umsätze verloren», sagte Brandenburg.

Das Auftauchen der «high roller» ist für ihn ein kleiner Hoffnungsschimmer. Aber er verspricht sich von ihnen nicht mehr als ein kleines Zwischen-Hoch. «Spielbanken gehören zur Spezies der altertümlichen Ozeanriesen, deren Zeit abgelaufen ist», sagte er. «Das große Spiel wird heute nicht mehr in Casinos, sondern an der Börse gespielt.» dpa