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Ein Übungsteilnehmer wird am 27.04.2013 in Stuttgart (Baden-Württemberg) bei einer Tierseuchenübung beim Verlassen eines Kuhstalls gesäubert.
Ein Übungsteilnehmer wird am 27.04.2013 in Stuttgart (Baden-Württemberg) bei einer Tierseuchenübung beim Verlassen eines Kuhstalls gesäubert. © dpa
06.08.2013

Baden-Württemberg sieht sich für Tierseuchen gut vorbereitet

Tübingen. Baden-Württemberg sieht sich zehn Jahre nach dem Wüten von Maul- und Klauenseuche sowie Geflügelpest in Europa besser für den Kampf gegen Tierseuchen gewappnet. Die vergangenen Jahre seien genutzt worden, um das Krisenmanagement weiter zu verbessern, sagte der Tübinger Regierungspräsident Hermann Strampfer (CDU) am Dienstag.

Eine Task Force koordiniert seit 2003 von Tübingen aus landesweit den Kampf gegen Tierseuchen. Das werde immer wichtiger, denn durch den Klimawandel steige die Gefahr, dass neue Tierseuchen eingeschleppt würden.

«Man kann nie mit absoluter Sicherheit verhindern, dass die Seuchenerreger die Stalltüren überwinden. Das einzige, was man machen kann, ist vorbereitet zu sein», sagte Nicole von Normann, eine der fünf Tierärzte in der Task Force. Denn wenn sich Maul- und Klauenseuche, Schweine- oder Geflügelpest von Hof zu Hof ausbreiten, drohten für die gesamte Volkswirtschaft eines Landes schnell Milliardenschäden.

So habe etwa die Maul- und Klauenseuche vor gut zehn Jahren in Großbritannien einen Schaden von 15 Milliarden Euro angerichtet. Am stärksten hätten gar nicht die Landwirte gelitten, sondern die Tourismusbetriebe. «Wenn man die Bilder von kranken Tieren im Fernsehen sieht, vergeht einem die Lust, dort seinen Jahresurlaub zu verbringen», sagte die Tierärztin.

Zwar gab es zuletzt keine großen Epidemien mehr. Aber die Gefahr sei ständig da. «Wir haben es tagtäglich mit Seuchenausbrüchen zu tun», sagte Task-Force-Mitglied Ralf Müller. Im vergangenen Jahr seien in Baden-Württemberg 848 Tierseuchen-Ausbrüche gezählt worden, mehr als die Hälfte davon fiel in die Kategorie der anzeigepflichtigen, also besonders ernstzunehmenden Seuchen. Damit sich die Seuchenerreger nicht von Hof zu Hof ausbreiten, müsse extrem schnell gehandelt werden, betonten die Experten. Denn weil die Lieferketten der Höfe stark verflochten sind, könnten sonst schnell Dutzende oder Hunderte Höfe im Land betroffen sein.

Konkret ist die Task Force dafür zuständig, Amtstierärzte und Verwaltungsbehörden zu schulen und auf den Ernstfall vorzubereiten. Sobald sich eine Seuche überregional ausbreitet, wird die Task Force Teil eines Krisenzentrums im Landwirtschaftsministerium.

Letztlich gehe es darum, im Ernstfall eine gute Koordination sicherzustellen, betonte von Normann. Das Töten der betroffenen Tiere und das Abriegeln der Höfe sei das eine - aber überhaupt herauszufinden, wie sich die Seuchenerreger schon weiter ausgebreitet haben könnten, sei eine Mammut-Aufgabe für die Verwaltungsbehörden, sagte von Normann. «Die örtlichen Behörden sind da sehr schnell am Ende ihrer Leistungsfähigkeit.»