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Baden-Württemberg soll zum Radler-Land werden.
Baden-Württemberg soll zum Radler-Land werden. © dpa
04.04.2013

Baden-Württemberg soll zum Radler-Land werden

Stuttgart. Besseres Radeln im Ländle: Die grün-rote Landesregierung will die Radwege ausbauen und stärker miteinander vernetzen. Dafür stehen im laufenden Jahr etwa 18 Millionen Euro an Landesmitteln zur Verfügung - im kommenden Jahr sollen es rund 20 Millionen Euro sein.

Im Sommer beginnt die Arbeit an einem Landesradverkehrsplan, in dem Schwerpunkte festgelegt werden. Wie Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) am Donnerstag in Stuttgart sagte, sollen die Bürger über Veranstaltungen und das Internet eingebunden werden. Ziel sei ein durchgängig befahrbares und sicheres Wegenetz. Eine besondere Förderung bekommen in diesem Jahr Filderstadt und Heidelberg als Modellkommunen.

Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) wünscht sich von Grün-Rot mehr Tempo beim Ausbau der Radwege. «Die sind auf dem richtigen Weg. Aber uns geht das ein bisschen zu langsam», sagte die Landesvorsitzende Gudrun Zühlke der Nachrichtenagentur dpa in Stuttgart. Bis Verbesserungen sichtbar würden, dauere es aber noch eine Zeit. Zühlke bemängelte zudem, dass zu wenig Geld im Topf sei. Nachholbedarf sieht der ADFC auch bei der Vermarktung der Radfernwege durch den Südwesten. «Baden-Württemberg hat es bislang nicht verstanden, für seine vorhandenen Radfernwege Werbung zu machen.»

Verkehrsminister Hermann sagte: «Wir wollen den Radverkehrsanteil auf 20 Prozent steigern, das heißt verdoppeln.» Somit soll künftig also ein Fünftel der Wege in Baden-Württemberg mit dem Rad zurückgelegt werden. Baden-Württemberg gehöre heute im Vergleich der Bundesländer nicht zur Spitzengruppe. Das Land habe einen riesen Nachholbedarf. Dabei sei die Situation in den Städten höchst unterschiedlich. Freiburg, Karlsruhe, Offenburg und Mannheim lägen bei der Förderung des Radverkehrs - auch im bundesweiten Vergleich - weit vorne, während Stuttgart einen der hinteren Plätze einnehme.

Die Vorgängerregierungen hätten den Ausbau der Radwege nicht systematisch betrieben, sagte der Minister. Die Fördersummen schwankten. Nun solle ein Netz aufgebaut werden, in dem Radwege nicht mehr plötzlich enden oder über vielbefahrene Straßen führen. Hermann räumte ein, dass das Geld nicht für alle Maßnahmen, die wünschenswert seien, reiche. Im laufenden Jahr seien bereits 300 Vorschläge eingegangen mit einem Finanzvolumen von rund 60 Millionen Euro. Das sei ein Mehrfaches von dem, was 2013 an Mitteln bereitstehe.

Bei der Auswahl förderfähiger Wege spielen laut Hermann folgende Kriterien eine Rolle: die Verkehrssicherheit, die Sicherung von Schulwegen, Lückenschlüsse, die Verkehrsbelastung und das Kosten-Nutzen-Verhältnis einer Maßnahme. Gefördert werden auch Schutzstreifen, Abstellanlagen für Räder und die Beschilderung.

«Höchste Priorität» habe das Fahrrad in Freiburg, sagt Stadtsprecher Toni Klein. Schon jetzt mache der Fahrradverkehr 26 Prozent am Gesamtverkehr aus - dabei solle es aber nicht bleiben. Im Mittelpunkt stünden derzeit Radvorrangrouten - Fahrradwege, die kaum von Ampeln unterbrochen werden und so wenig wie möglich mit anderem Verkehr in Berührung kommen. In Ulm versuche man dieses Jahr vor allem, Autostraßen durch neue Schutzstreifen fahrradtauglich zu machen, sagt Tom Philipp Schiller, der Fahrradbeauftragte der Stadt. Außerdem sollen kleinere Maßnahmen den Radfahrern das Leben angenehmer machen: Sogenannte Radhalte mit Griffen und Trittbrettern am Radwegrand sollen bald das Anfahren an Ampeln erleichtern. «Ein Novum in Ulm» sei auch eine Ampel, die Radfahrer in etwa 40 Metern Abstand registriert und dann im richtigen Moment auf Grün schalten.

Stuttgart ist als Autostadt bekannt - und tatsächlich werden Fahrräder hier eher wenig genutzt: bei rund sieben Prozent liegt der Anteil am Gesamtverkehr, sagt Sven Matis, Sprecher der Stadt. «Langfristig sind 20 Prozent angestrebt». Das etwa 240 Kilometer lange Hauptnetz werde systematisch ausgebaut. Teilweise würden auch Fahrbahnen für Autos verkleinert, um Raum für Radwege zu schaffen.