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Atommüll © dpa
21.06.2014

Baden-Württemberg will Atommüll aus La Hague einlagern

Stuttgart/Frankfurt. Die baden-württembergische Landesregierung hat ihre politische Bereitschaft erklärt, fünf Castoren mit Atommüll aus Frankreich einzulagern. Ein Sprecher des Umweltministeriums bestätigte einen entsprechenden Bericht der «Frankfurter Rundschau» (Samstag). Stuttgart werde dem Rücktransport nach Deutschland keine Steine in den Weg legen.

Der Bund sei allerdings gefordert, ein Gesamtkonzept für alle Castoren vorzulegen, sagte der Sprecher des Stuttgarter Umweltministeriums - also auch für die jetzt zunächst ausgeklammerten Castoren aus der britischen Wiederaufbereitungsanlage Sellafield. Dies hätte ursprünglich schon bis Ostern geschehen sollen.

Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) habe sich mit dem baden-württembergischen Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann (Grüne) über das weitere Vorgehen bei der Rücknahme des Atommülls verständigt, berichtete die «Frankfurter Rundschau». Insgesamt muss Deutschland ab nächstem Jahr 26 Castoren aus La Hague und Sellafield zurücknehmen.

Neben Baden-Württemberg hat bisher nur Schleswig-Holstein seine grundsätzliche Bereitschaft dazu erklärt - «ausgerechnet zwei Länder mit grüner Regierungsbeteiligung», sagte der Stuttgarter Ministeriumssprecher. «Alle anderen Bundesländer, die von Parteien regiert werden, die die Kernkraft jahrzehntelang unterstützt haben, ducken sich weg und übernehmen keine Verantwortung.»

Der Staatssekretär im Bundesumweltminsterium, Jochen Flasbarth (SPD), forderte dem Zeitungsbericht zufolge in einem Brief an EnBW und andere Stromkonzerne, das Genehmigungsverfahren für eine Zwischenlagerung in Baden-Württemberg noch in diesem Monat in Gang zu bringen. Genehmigungsbehörde wäre dann das Bundesamt für Strahlenschutz.

Als möglicher Standort für ein Zwischenlager ist wiederholt das Atomkraftwerk Philippsburg in der Nähe von Karlsruhe genannt worden. Alle sich mit einem Zwischenlager stellenden sachlichen und genehmigungsrechtlichen Fragen müsse der Bund mit dem AKW-Betreiber EnBW klären, sagte der Sprecher des Umweltministeriums. In Philippsburg gibt es ebenso wie am EnBW-Standort Neckarwestheim erhebliche Widerstände in der Bevölkerung gegen die Zwischenlagerung von Atommüll.