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22.09.2014

Baden-Württemberg will Industrie 4.0 vorantreiben

Stuttgart. Baden-Württemberg soll Vorreiter bei der Verknüpfung von Maschinen und Informations- und Kommunikationstechnik werden, um sich im internationalen Wettbewerb weiter behaupten zu können.

Deshalb unterstütze das Land diese sogenannte vierte industrielle Revolution (Industrie 4.0) in den kommenden beiden Jahren mit zunächst 8,5 Millionen Euro, sagte Wirtschaftsminister Nils Schmid (SPD) am Montag in Stuttgart. «Bei uns sind die Branchen zuhause, die Industrie 4.0 Wirklichkeit werden lassen, allen voran der Maschinen- und Anlagenbau, die Informations- und Kommunikationstechnik und die Industrieanbieter.»

Zudem soll das vorhandene Wissen in einer Allianz 4.0 BW gebündelt werden. Sie ist Teil eines Masterplans, den ein 20-köpfiger Lenkungskreis aus Firmen, Verbänden, Hochschulen, Forschungsinstituten und Gewerkschaften erstellt. Das Gremium hat sich bereits einmal getroffen.

Die Kommunikation zwischen Produktionsstätten und innerhalb von Wertschöpfungsketten eröffnet nach Expertenschätzung bis 2025 bundesweit zusätzliche Wertschöpfung in dreistelliger Milliardenhöhe etwa durch verbesserte Lieferketten, reduzierte Bestände und individualisierte Produktion. Thomas Bauernhansl, Leiter des Fraunhofer-Instituts für Produktionstechnik und Automatisierung, sagte, die Firmen könnten durch die neuen vernetzten Produktionssysteme um bis zu 50 Prozent produktiver werden. Als Beispiel für die Vorteile nannte er Lagerbestände, deren Sicherheitspuffer durch intelligente Kommunikation erheblich reduziert werden könnten.

Im Südwesten sind laut einer Studie bereits 127 Unternehmen in entsprechende Projekte eingebunden. In der «Nationalen Plattform Industrie 4.0» sind 8 von 14 Unternehmen aus Baden-Württemberg. Nachholbedarf sieht Schmid bei kleinen und mittleren Unternehmen.

Wie wird sich die Entwicklung auf die Arbeitsplätze im Südwesten auswirken? Schmid sieht keine Gefahr: «Die Fabrik ohne Menschen ist ein Science-Fiction-Traum, das wird nie funktionieren.» Die Belegschaften müssten von den Chancen überzeugt werden. Bei Angelernten bestehe Qualifizierungsbedarf, um die neuen Kommunikationsmöglichkeiten nutzen zu können. Ein Vorteil sei, dass sie von monotonen Tätigkeiten entlastet würden. Außerdem seien die Gewerkschaften mit von der Partie, um die Prozesse zu begleiten.