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In badischen Großstädten - mit Ausnahme von Pforzheim - wurde gegen das Bahnprojekt Stuttgart 21 votiert. In Württemberg gab es überall nur eine Mehrheit pro S21.
In badischen Großstädten - mit Ausnahme von Pforzheim - wurde gegen das Bahnprojekt Stuttgart 21 votiert. In Württemberg gab es überall nur eine Mehrheit pro S21. © dpa
28.11.2011

Badische Großstädte stimmen gegen Stuttgart 21

Das kennt man ja schon seit der Revolution von 1848. Die Badener lieben die Freiheit, wollen sich nicht gängeln lassen, während die Württemberger es eher mit der schwäbischen Gemütlichkeit und Ordnungsliebe halten. Die Württemberger haben ihre Kehrwoche und die Badener ticken eben anders. Kein Wunder, dass bei der Volksabstimmung die Großstädte in Baden - gegen den Landestrend - den Stuttgart-21-Gegnern die Stange gehalten. Mit Ausnahme von Pforzheim. Aber da lebt man ja schon so nahe an der württembergischen Grenze, dass dieser Sonderweg nicht weiter verwundert.

Alle Wahlergebnisse aus Pforzheim und der Region finden Sie hier: >> Wahlergebnisse im Überblick<<

Umfrage

In badischen Großstädten ist Stuttgart 21 durchgefallen. Ticken Badener anders als Württemberger?

Ja, das ist Charaktersache 61%
Nein, das ist nur Neid 30%
Mir egal, bin nicht von hier 9%
Stimmen gesamt 663

In Mannheim votierten rund 57 Prozent der Teilnehmer an der Volksabstimmung gegen das Milliarden-Bahnprojekt. Ähnlich deutlich fielen die Abstimmungen in Heidelberg, Karlsruhe und Freiburg aus. Ist dieser Unterschied noch ein Spiegelbild landsmannschaftlicher Zerrissenheit? Sind sich die Badener und Württemberger seit rund sechs Jahrzehnten friedlicher Koexistenz immer noch nicht grün?

«Das Ergebnis war zu erwarten, weil die Sorge groß ist, dass Infrastrukturmaßnahmen in unserer Region unter dem Großprojekt leiden», sagte Mannheims Oberbürgermeister Peter Kurz (SPD). Im Vorfeld war immer wieder argumentiert worden, dass die Bahn das Geld besser in den Ausbau der Rheintalstrecke von Frankfurt am Main nach Basel stecken sollte. Haben die Badener also die Württemberger in Verdacht, den ganz großen Investitionsfluss exklusiv in Richtung Schwaben zu lenken? Oder ist Stuttgart nur zu weit weg und jenseits der Grenze?

Allerdings blieb die Wahlbeteiligung auf badischer Seite deutlich unter 50 Prozent. In Mannheim ging sogar nur jeder Dritte Wahlberechtigte an die Urne. «Das zeigt, dass das Thema bei uns nicht so emotionalisiert war wie in Stuttgart», sagte Kurz, der selbst für die Verlegung des Stuttgarter Bahnhofs stimmte. Er hofft, dass das klare Votum der Befürworter jetzt das Projekt voranbringt und die aufgeheizte Stimmung beendet.

In Heidelberg lag die Wahlbeteiligung bei knapp 42 Prozent. Die Stuttgart-21-Gegner kamen auf rund 58 Prozent. In Karlsruhe gaben 40,8 der Wahlberechtigten ihre Stimme ab, in Freiburg 44,6 Prozent, die Gegner kamen auf 53,6 beziehungsweise 66,5 Prozent.

Im württembergischen Landesteil stimmte kein einziger Kreis für den Ausstieg. Besonders skeptisch waren die Biberacher, 75,5 Prozent sprachen sich für den Weiterbau aus. Aber Biberach ist ja auch tiefste schwäbische Provinz. Selbst im grünen Tübingen, in dem mit Oberbürgermeister Boris Palmer einer der prominentesten S21-Gegner regiert, gab es etwas mehr S21-Befürworter als Gegner des milliardenschweren Bahnprojekts. dpa/tok