nach oben
Krönung der Badenerin Josefine Schlumberger (links) zur Deutschen Weinkönigin durch ihre Vorgängerin Janina Huhn in Neustadt an der Weinstraße.
Krönung der Badenerin Josefine Schlumberger (links) zur Deutschen Weinkönigin durch ihre Vorgängerin Janina Huhn in Neustadt an der Weinstraße.
27.09.2015

Badische Winzertochter gekrönt - Nach 18 Jahren wieder eine Frau aus Baden

Neustadt/Weinstraße. Einige Augenblicke lang wirkt die neue Deutsche Weinkönigin überrascht von ihrem Sieg. Sie habe an diesem Abend sicherlich nicht die beste Performance ihres Lebens abgeliefert, wird Josefine Schlumberger später sagen. Die 21-Jährige ist sprachlos, als ihr am späten Freitagabend im Saalbau in Neustadt die Krone der Weinhoheit aufgesetzt wird. Erstmals seit 18 Jahren wird eine Frau aus Baden so geehrt.

Als sich der Konfettiregen legt, hat sich die hochgewachsene Frau im milchkaffeebraunen Kleid gefangen – und zeigt Reiselust, Probierfreude und Zuversicht. Sie freue sich darauf, die deutschen Winzer besser kennenzulernen und „ein Jahr zu erleben, wie ich es in meinem Leben nie wieder erleben werde“.

In den zwei Stunden zuvor werden die Weinbau- und Oenologie-Studentin und ihre fünf Konkurrentinnen auf eine harte Probe gestellt. So müssen sie in einer Stegreifrede vor einem imaginären Publikum den deutschen Wein preisen und dabei vorgegebene Worte einbauen. Josefine Schlumberger spricht zu hunderttausend Besuchern eines Rockkonzertes und bringt geschickt Spätburgunder mit den vorgegebenen Dosenravioli unter einen Hut – „Dosenravioli heißt nicht unbedingt, dass da auch ein Dosenbier danebenstehen muss“.

Bei der Aufgabe, in einer Rede für eine gute Sache zu werben, kritisiert sie, dass den Flüchtlingen in Deutschland stellenweise Abneigung entgegenschlägt. „Eigentlich sollten wir die Schreckensbilder, die uns Fremdenhass gebracht hat, noch zu gut vor Augen haben“, sagt sie und bietet an, im Sinne der Aktion Sühnezeichen Friedensdienste an Schulen aufzuklären.

Aufgabe zu schwierig

Schwieriger wird es, als es um das „Kerngeschäft“ Wein geht. Die Winzerstochter aus Sulzburg-Laufen scheitert wie ihre Konkurrentinnen daran, aus drei Weinen jenen herauszuschmecken, der durch Mischung der beiden anderen entstand. Im Gegensatz zu ihren späteren Weinprinzessinnen Caroline Guthier (Anbaugebiet Hessische Bergstraße) und Katharina Fladung (Rheingau) weiß sie auch nicht, dass der Ausdruck „Knoddel“ für das Gärröhrchen steht, das auf den Weintank gesetzt wird, damit das Kohlendioxid entweichen kann. Welche Funktion das Röhrchen hat, kann sie dagegen schnell definieren.

Das mit dem Wein habe sie geärgert, sagt Schlumberger später. „Da hätte ich mehr bringen können.“ Es sei aber nicht ihr Probiertag gewesen, und sie habe sich aus dem Konzept bringen lassen, so dass sie in der Paradedisziplin der Weinkönigin gepatzt habe.

Das Wahlergebnis überzeugt nicht alle. „Ich verstehe es nicht“, sagt Claus Schall aus Bad Rappenau, der Onkel der württembergischen Kandidatin Stefanie Schwarz. Schlumberger habe bei keiner Übung herausgestochen.

DWI-Sprecher Büscher sagt, Schlumberger sei bei der Fachbefragung am 19. September von vielen der 70 Jurymitglieder als sehr gut bewertet worden – das habe im Finale sicherlich „mit in die Entscheidung reingespielt“.