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In Stuttgarter Bädern kam es zu Belästigungen durch Flüchtlinge. An Verbote denkt man aber nicht. Foto: dpa
In Stuttgarter Bädern kam es zu Belästigungen durch Flüchtlinge. An Verbote denkt man aber nicht. Foto: dpa
22.01.2016

Bäderbetreiber: Belästigungen durch Flüchtlinge sind die Ausnahme

Schwimmbadverbote für Flüchtlinge? Nicht in Baden-Württemberg. Im Südwesten ergeben sich in den Bädern ganz andere Schwierigkeiten.

Ein Schwimmbadverbot für männliche Flüchtlinge wie im nordrhein-westfälischen Bornheim halten Bäderbetreiber im Südwesten für ausgeschlossen. Wie eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur bei Bädern und Stadtverwaltungen ergab, kam es zwar in Stuttgart und Karlsruhe zu Belästigungen. Die Probleme, so der Tenor, liegen aber oft anderswo – bei fehlenden Schwimm- und Sprachkenntnissen zum Beispiel.

In Heilbronn etwa badeten viele Flüchtlinge in Boxershorts statt Badehosen, was andere Badegäste störe. „Das Hauptproblem ist die Verständigung“, sagte Ursula Stiefken, Leiterin der Heilbronner Bäder. Sexuelle Belästigungen habe es nicht gegeben.

Anders in Stuttgart: Hier kam es nach Angaben der Geschäftsführerin der Bäderbetriebe, Anke Senne, im Leo-Vetter-Bad und im Hallenbad Zuffenhausen zu Belästigungen durch Flüchtlinge – welcher Art, dazu wollten sich die Bäderbetriebe nicht äußern. Es sei sofort Kontakt mit dem Sozialamt aufgenommen worden, und die von der deutschen Gesellschaft für das Badewesen übersetzten Sicherheitshinweise seien eingesetzt worden. „Ein Verbot kommt absolut nicht infrage, wir setzen auf Kommunikation und Dialog“, sagte Senne.

Im Europabad in Karlsruhe gab es nach Angaben der Stadtsprecherin einen Fall von sexueller Belästigung. Ein Sprecher der Freiburger Bädergesellschaft sagte: „Es gibt immer mehr Menschen in den Freiburger Bädern, die erstmals kommen und denen die hier geltenden Regeln nicht vertraut sind.“ Viele davon hätten einen sogenannten Migrationshintergrund – aber nicht alle.

Im Pforzheimer Emma-Jaeger-Bad hatten irakische Jugendliche im Alter zwischen 15 und 18 Jahren im Herbst 2011 und im Frühjahr 2012 sexuelle Übergriffe begangen und auch sonst über die Stränge geschlagen und deshalb Hausverbot erhalten.

Die Stuttgarter Bäderbetriebschefin Senne sieht aber noch ein ganz anderes Problem: Etliche Flüchtlinge seien beinahe ertrunken, weil sie als Nichtschwimmer einfach ins Wasser gesprungen seien. Am Wochenende werde daher mehr Personal eingesetzt. Dass Nichtschwimmer die Gefahr des Wassers unterschätzen, hält man auch bei den Stadtwerken Ludwigsburg für ein größeres Problem als sexuelle Belästigungen. Man setzte auf Aufklärung: Bald sollen spezielle Schwimmkurse und Führungen durch die Bäder angeboten werden. Dabei solle das Prozedere vom Duschen vor dem Schwimmen bis hin zur Aufteilung der Umkleidekabinen erläutert werden. Denn was hierzulande zur Allgemeinbildung zähle, sei für andere völlig neu.

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