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Wolfgang Dietrich Projektsprecher Stuttgart 21 Fotos: dpa
Wolfgang Dietrich Projektsprecher Stuttgart 21 Fotos: dpa © dpa
07.02.2012

Bahn: Eiseskälte verhindert Baumverpflanzungen für S 21 nicht

Stuttgart. Die eisigen Temperaturen verhindern nach Darstellung der Bahn die geplanten Baumverpflanzungen für Stuttgart 21 nicht. «Wir haben von der Baumfirma die feste Zusage, dass es keine Probleme bei der Versetzung der 68 Bäume gibt», sagte Projektsprecher Wolfgang Dietrich im Interview der Nachrichtenagentur dpa in Stuttgart. Am vergangenen Freitag hatte der Verwaltungsgerichtshof Baden-Württemberg Eilanträge des Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND) abgelehnt und die Baumfällarbeiten genehmigt. Fotos: dpa

Stuttgart. Die eisigen Temperaturen verhindern nach Darstellung der Bahn die geplanten Baumverpflanzungen für Stuttgart 21 nicht. «Wir haben von der Baumfirma die feste Zusage, dass es keine Probleme bei der Versetzung der 68 Bäume gibt», sagte Projektsprecher Wolfgang Dietrich im Interview der Nachrichtenagentur dpa in Stuttgart. Am vergangenen Freitag hatte der Verwaltungsgerichtshof Baden-Württemberg Eilanträge des Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND) abgelehnt und die Baumfällarbeiten genehmigt.

 

Wie sieht die Planung für die Rodung aus?

Dietrich: «Bahn und Polizei haben einen Termin, an dem mit den Fällungen und Verpflanzungen der Bäume im Mittleren Schlossgarten begonnen wird, geklärt und abgestimmt. Aus polizeitaktischen Überlegungen wird der konkrete Zeitpunkt jedoch nicht bekanntgegeben. Die Phasen der Aktion sind dann: Absicherung des Bauplatzes, Räumung des Zeltdorfs, artenschutzrechtliche Sicherungen, etwa der Zaun für die Bäume, in denen Juchtenkäfer leben. Weitere Bedingung für die Baumfällarbeiten ist, dass das Land die Flächen für die Baustelle im Mittleren Schlossgarten übergibt. Das ist am Montag passiert.»

 

Wie lange dauert das Fällen und Versetzen der Bäume?

Dietrich: «In den ersten drei Tagen werden wir nur mit dem Fällen von Bäumen beschäftigt sein, um Raum für die Verpflanzungen zu schaffen. Dann werden wir parallel Fällen und Verpflanzen. Diese Arbeiten sollen bis 29. Februar abgeschlossen sein.»

 

Verkehrsminister Winfried Hermann klagt, die Bahn habe dem Land keinen Bauablaufplan vorgelegt. Stimmt das?

Dietrich: «Die Kritik kann ich nicht verstehen. Selbstverständlich werden alle Projektpartner – so auch das Land – regelmäßig informiert. Gerade am vergangenen Freitag hat ein Arbeitskreis mit Vertretern aller Projektpartner getagt. Grundlage war eine knapp 60-seitige Präsentation zu allen im Projekt- und Lenkungskreis relevanten Informationen, darunter Bauschritte und aktuelle Kostenberechnungen. Niemand hat sich dabei über fehlende Unterlagen beschwert.»

 

Welche Folgen hat die Tatsache, dass das Grundwassermanagement erst im Oktober 2012 in Betrieb gehen kann?

Dietrich: «Keine. Wir hatten ohnehin mit dem dritten Quartal 2012 gerechnet. Wir können alle Arbeiten beginnen, soweit sie nicht das Grundwasser berühren, also auch mit dem Aushub des Bahnhofstroges. Außerdem können wir Baustraßen anlegen und mit dem Fildertunnel anfangen.»

 

Warum hat es so lange gedauert, bis die Bahn die artenschutzrechtlichen Fragen geklärt hat?

Dietrich: «Der Vorwurf, wir hätten die Bauarbeiten selbst verzögert, zielt ins Leere. Jede Baumaßnahme kann nur auf Basis der aktuellen artenschutzrechtlichen Untersuchungen erfolgen. Im konkreten Fall heißt das: Wir haben im Mittleren Schlossgarten im Dezember noch untersucht, welche Fledermaus- und Vogelarten hier möglicherweise ihr Winterquartier bezogen haben. Dabei wurden noch zwei zuvor nicht gesichtete Fledermausarten gefunden. Daraufhin mussten wir Maßnahmen zu ihrem Schutz im Winterquartier beim Eisenbahn-Bundesamt (EBA) vorschlagen. Auch wenn der Bescheid des EBA auf Oktober 2010 datiert, konnten wir nur zeitnah zum tatsächlichen Baubeginn agieren. Einen Persilschein für alle Zeiten hätte uns die Behörde ohnehin nie gegeben – und wäre wohl kaum von den Naturschutzinstitutionen akzeptiert worden.»