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Lamin Gibba trägt am Bahnhof in Schwäbisch Gmünd einen Koffer von Bahnreisenden die Treppen einer Fußgängerbrücke hinauf. Er und acht weitere Asylbewerber haben in einem ungewöhnlichen Projekt Zugreisenden beim Koffertragen geholfen.
Lamin Gibba trägt am Bahnhof in Schwäbisch Gmünd einen Koffer von Bahnreisenden die Treppen einer Fußgängerbrücke hinauf. Er und acht weitere Asylbewerber haben in einem ungewöhnlichen Projekt Zugreisenden beim Koffertragen geholfen. © dpa
24.07.2013

Bahn steigt aus Projekt mit koffertragenden Flüchtlingen aus

Die Deutsche Bahn steigt aus einem Projekt der Stadt Schwäbisch Gmünd (Ostalbkreis) aus, bei dem Asylbewerber während eines Umbaus am Bahnhof beim Koffertragen über eine Treppenbrücke helfen sollten. Dafür sollten sie 1,05 Euro pro Stunde bekommen - mehr erlaubt das Gesetz nicht. «Die konkreten Beschäftigungsbedingungen sind der Deutschen Bahn erst jetzt bekanntgeworden», teilte das Unternehmen am Mittwoch in Stuttgart mit.

Arbeitsverhältnisse zu solchen Konditionen könne die Bahn nicht unterstützen, wie es weiter hieß. Sie wolle von diesem Donnerstag an eigene Mitarbeiter einsetzen, die Fahrgästen im Gmünder Bahnhof Hilfe beim Gepäcktransport anbieten sollen. Sie würden nach den Tarifen der Bahn bezahlt, sagte ein Sprecher. Das freiwillige Projekt hatte am Montag begonnen und sollte im Test erstmal bis Ende August laufen.

Der Oberbürgermeister Richard Arnold (CDU) sprach gerade mit Journalisten am Bahnhof über das ungewöhnliche Projekt, als ihn die Nachricht von der Bahn erreichte. «Ich bin enttäuscht und auch traurig für die Menschen, denn es handelt sich um hochmotivierte junge Leute», sagte Arnold. Die Idee dazu stammt von ihm, gemeinsam mit der Bahn und dem Landkreis Ostalbkreis wurde es bisher umgesetzt. Die Aktion habe die Flüchtlinge in direkten Kontakt mit der Bürgerschaft gebracht, sagte Arnold. «Es entwickeln sich Gespräche und sie können auch auf ihre Situation aufmerksam machen, was sie auch tun.»

Der Arbeitskreis Asyl in Schwäbisch Gmünd zeigte sich ebenfalls enttäuscht. «Ich bin traurig darüber, das ist ein charmantes Projekt gewesen», sagte Bernd Sattler von der Flüchtlingsinitiative.

Die Stadt will weiterhin Möglichkeiten für die Flüchtlinge schaffen, sich bei Wunsch einzubringen. «Es sind die Menschen, die zu uns gekommen sind und die zu unserer Gemeinschaft gehören», so Arnold.

Derzeit sind in der ältesten Stauferstadt Deutschland um die 250 Flüchtlinge in einer Sammelunterkunft untergebracht. Bis Ende 2014 soll diese geschlossen und die Bewohner dezentral untergebracht werden. Im vergangenen Sommer hatten die Flüchtlinge dort unter anderem vor dem Rathaus für bessere Bedingungen protestiert.