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Enormes Verkehrsaufkommen © dpa
So sieht es heute auf den Bahnhöfen Deutschlands aus.
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05.11.2014

Bahnstreik: Keine IRE und IC, wenige RE und S-Bahnen

Friedrichshafen/Pforzheim. Die Deutsche Bahn will den laufenden Lokführerstreik mit einer einstweiligen Verfügung vorzeitig beenden. Ein entsprechender Antrag werde beim Arbeitsgericht Frankfurt/Main gestellt, kündigte das Unternehmen am Donnerstag in Berlin an.

Am ersten Streikmorgen des bundesweiten Lokführerstreiks im Personenverkehr ist der Ersatzfahrplan in Baden-Württemberg störungsfrei angelaufen. «Die Kunden, die auf die Bahn angewiesen sind, haben sich auf die Situation eingestellt», sagte ein Bahnsprecher am Donnerstagmorgen.

Jedoch fuhren in Pforzheim und dem Enzkreis nur wenige Züge: Rund jeder zweite RE fällt aus, auch einige S-Bahnen und alle IRE und IC sind betroffen. Die Autobahnen im Land waren aber überlastet. «Wir haben ein enormes Verkehrsaufkommen», erklärte ein Sprecher des Innenministeriums am Donnerstagmorgen. Den längsten Stau mit 30 Kilometern habe es auf der A81 zwischen Heilbronn und Stuttgart gegeben. Von Singen nach Stuttgart staute sich der Verkehr im Berufsverkehr auf einer Strecke von 13 Kilometern.

Der Ersatzfahrplan decke etwa ein Drittel des regulären Zugangebots ab und werde bislang eingehalten. Die S-Bahnen im Raum Stuttgart fahren im Stundentakt. Eine Umfrage am Donnerstagmorgen habe ergeben, dass die Situation an den Bahnhöfen in Baden-Württemberg verhältnismäßig ruhig ist.

Der Lokführerstreik lässt bei Fernbusunternehmen die Kasse klingeln. Auf stark befahrenen Strecken im Südwesten werden mehr oder größere Busse eingesetzt. Mit übermäßigen Verspätungen wegen verstopfter Autobahnen rechnen die Anbieter nicht. Doch selbst viele S5- und S6-Verbindungen fallen aus.

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Dies teilten am Mittwoch Nachmittag die Albtal-Verkehrs-Gesellschaft mit. Sie veröffentlichte eine Liste von den morgens fahrenden Zügen, die von DB-Lokführern gefahren werden. "Wenn Züge bei uns ausfallen, sind es die", so Pressesprecherin Sarah Breuer. Die Wahrscheinlichkeit, dass die genannten Bahnen ausfallen sei "relativ groß". Die Deutsche Bahn hat bereits alle IC-Verbindungen in der Region gestrichen, als unwahrscheinlich gilt es laut Service-Mitarbeitern der Bahn, dass die RE-Züge fahren. Laut dem aktualisierten Bahn-Fahrplan von Mittwochabend bleiben auch alle IRE-Züge rund um Pforzheim stehen. Die S-Bahn-Liste wird ab Donnerstag stetig auf www.kvv.de aktualisiert. Die aktuelle Version finden Sie hier.

Mit gewohnt viel Humor wird der Bahnstreik auf Twitter kommentiert:

Das Friedrichshafener Fernbusunternehmen DeinBus.de profitiert von dem Streik. «Die Zugriffe auf unsere Webseite haben sich seit Dienstag signifikant erhöht und wir merken es auch definitiv bei den Buchungen», sagte eine Unternehmenssprecherin am Mittwoch.

Sie rechnet während des viertägigen Streiks von Donnerstag an mit bis zu 25 Prozent mehr Buchungen. «Einige Fahrten sind jetzt schon ausgebucht. Alles nach München ist ziemlich voll und auch nach Köln und Frankfurt.» Das Unternehmen mit Sitz in Friedrichshafen verkehrt vor allem im Südwesten Deutschlands. Wenn die Lokführer in den Streik treten, sollen größere Busse eingesetzt werden. «Es kann auch gut sein, dass es mehr Busse geben wird.»

Auch der Anbieter Flixbus will sein Angebot aufstocken. Und bei DeinBus.de soll während des Streiks die Einsatzleitung aufgestockt werden, um den Busfahrern bei Staus alternative Routen durchzugeben. «Manchmal ist das natürlich nicht möglich, dann muss der Bus im Stau stehen.» Die Sprecherin schätzt, dass rund zehn Prozent der Busse verspätet ankommen werden, vor allem Freitagabend und Sonntagabend. «Vom letzten Streik sind mir keine besonderen Verspätungen bekannt.»

Fahrten während des Streiks könnten allerdings teurer werden als an gewöhnlichen Tagen. «Die Preise gehen natürlich hoch mit der Nachfrage, aber es wird nicht exorbitant mehr kosten», sagte die DeinBus.de-Sprecherin. Bei MeinFernbus heißt es, die Preise würden während des Streiks zwar etwas teurer sein als normalerweise, blieben aber unter denen der Bahn. «Wir denken uns jetzt nicht plötzlich neue Preise aus», betonte die Sprecherin.

Ähnlich dürfte die Situation bei den Mietwagen-Anbietern sein. Das Unternehmen "Sixt" kündigte bereits auf der eigenen Facebook-Seite an, dass mit ausverkauften Stationen zu rechnen ist. Konkurrent "hertz" verspricht ein erweitertes Angebot an Bahnhöfen.

 
 

Für große Aufregung sorgt der Bahnstreik bei den Reisenden. In den sozialen Netzwerken ist mehrheitlich das Unverständnis der Bahn-Kunden zu lesen. Empörung herrscht aber auch über die Preiserhöhung für Fernbusse-Fahrten.

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