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09.12.2015

Begegnen statt belehren: Studie zur Integration von Asylsuchenden

Nach einer Studie glückt Integration am besten, wenn Migranten sich einbringen und Einheimischen auf Augenhöhe begegnen können. Das häufig von Kontrolle und Anpassungsdruck geprägte Integrationsverständnis in Politik und Öffentlichkeit werde von den Beteiligten nicht geschätzt, erläuterte Professor Josef Held in Stuttgart. „Für Praktiker stehen Interaktion und Partizipation im Vordergrund.“ Insbesondere Angebote aus Musik, Theater und Kunst ermöglichten dies, sagte Held bei der Bilanz des dreijährigen Programms „Vielfalt gefällt! 60 Orte der Integration“. Die rheinland-pfälzische CDU hatte kürzlich eine „Integrationspflicht“ für Flüchtlinge gefordert.

Wenn die Migranten ihre musischen Fähigkeiten öffentlich präsentieren, etwa bei Konzerten, dann steigert dies nach Worten von Held das Selbstvertrauen und das Gefühl, akzeptiert zu werden. Allerdings warnte er auch vor überzogenen Erwartungen. Keinen dürfe es wundern, wenn Afrikaner nicht für die Teilnahme in einer schwäbischen Blaskapelle zu erwärmen seien. Überdies fand die von Held geleitete Tübinger Forschungsgruppe heraus, das sich Migranten in einem Umfeld, in dem sie sich diskriminiert fühlen, eher in Projekten engagieren als solche, die in relativ gleichberechtigten Umständen leben.

Die Modellprojekte wurden mit knapp drei Millionen Euro von der Baden-Württemberg Stiftung und mit 600.000 Euro vom Land gefördert. Das Programm soll im kommenden Jahr unter dem Motto „60 Orte des Miteinanders“ neu aufgelegt werden. Die Stiftung stellt dafür drei Millionen Euro bereit.

Als weitere Erkenntnis nannte Held, dass Ehrenamtliche intensivere professionelle Begleitung brauchen. Hilfreich sei auch, mehr Menschen mit Migrationshintergrund für das Ehrenamt zu gewinnen. Ehrenamtliche Arbeit könne zu einer politischen Kultur vor Ort beitragen, die Gegnern von Integration kein Forum und keine Unterstützung biete. Aus Sicht von Integrationsministerin Bilkay Öney (SPD) gibt die Evaluation gute Handlungsvorschläge für erfolgreiche Integration.

Weitere Informationen unter:dpaq.de/8fEqV