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© dpa
18.04.2011

Beginn der Zehnjahresinspektion für AKW Fessenheim 2

COLMAR/PARIS. In dem umstrittenen elsässischen Atomkraftwerk Fessenheim haben am Montag mehr als 1600 Techniker und Experten mit einer großen Sicherheitskontrolle von Reaktorblock 2 begonnen. Angesichts des wachsenden Widerstandes gegen die Kernkraft und den Weiterbetrieb Fessenheims hat der Generaldirektor des Elektrizitätskonzerns EDF, Henri Proglio, den französischen Atomkraftwerken einen „ausgezeichneten Zustand“ bescheinigt.

„Fessenheim ist das älteste Kraftwerk, doch es wird wie die anderen ständig erneuert. Wenn man die Anlagen seit ihrer Inbetriebnahme mit dem heutigen Zustand vergleicht, so ist heute nichts mehr so, wie es früher war“, sagte Proglio in einem Interview mit der Zeitung „Le Figaro“ (Montag). In Frankreich werden 58 Reaktoren in 19 Atomkraftwerken betrieben.

Vom Ergebnis dieser Zehnjahresinspektion hängt ab, ob der Reaktor für weitere zehn Jahre betrieben werden kann. Die Inspektion soll nach Angaben der französischen Atomaufsichtsbehörde ASN in Straßburg fast sieben Monate dauern. Dabei würden Dampfgeneratoren ausgetauscht, sagte ASN-Vertreter Florian Kraft nach Medienangaben. Gleichzeitig werde überprüft, ob die Anlage den neuesten Sicherheitsanforderungen entspricht - besonders was die Gefahr von Erdbeben und Überschwemmungen angehe.

Die Inspektion von Block 1 wurde bereits abgeschlossen. Wegen der Atomkatastrophe in Fukushima will die Atomaufsichtsbehörde ASN aber erst im Juni entscheiden, ob der Reaktorblock weitere zehn Jahre am Netz bleiben kann. Ursprünglich sollte die Entscheidung schon im März fallen.

Für Ostermontag haben Atomkraftgegner aus dem Dreiländereck zu großen Kundgebungen an der deutsch-französischen Grenze bei Neuenburg- Chalampé aufgerufen. Auch auf der Europabrücke Kehl/Straßburg wollen sich deutsche und französische Demonstranten mittags zu einer Kundgebung treffen.

Die zwei 900-Megawatt-Reaktoren von Fessenheim - dicht an der deutschen Grenze - sind seit 1977 in Betrieb. Seit Fukushima finden die Mahnungen der Atomkraftgegner aus Deutschland, Frankreich und der Schweiz über Fessenheim zunehmend Gehör: sie halten die Anlage für hoffnungslos veraltet und pannenanfällig. Fessenheim liegt außerdem in einer Erdbebenzone und ist auch nicht ausreichend gegen einen Flugzeugabsturz gesichert.

Nach Fukushima haben mehrere Gemeinden in Deutschland und in der Schweiz die sofortige Schließung Fessenheims verlangt, als erste Gemeinde im Elsass auch die Stadt Straßburg.