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Was ist angemessene Kleidung für die Schule? Darüber wird seit dem Schwieberdinger Jogginghosen-Verbot diskutiert. Eine Benimm-Expertin sieht es locker: Früher oder später merkten fast alle, was passt.
Was ist angemessene Kleidung für die Schule? Darüber wird seit dem Schwieberdinger Jogginghosen-Verbot diskutiert. Eine Benimm-Expertin sieht es locker: Früher oder später merkten fast alle, was passt. © Symbolbild: dpa
14.11.2015

Benimm-Expertin hält wenig vom Jogginghosen-Verbot

Backnang. Umstrittene Jogginghose: Eine Benimm-Expertin aus dem Südwesten hält nicht wirklich viel vom Verbot des Schlabberbeinkleids an den Schulen. Sie plädiere stets dafür, mit den Kindern und Jugendlichen über die angemessene Kleidung für den Unterricht zu reden, sagte Gudrun Nopper der Deutschen Presse-Agentur in Stuttgart. In der Regel werde den meisten von ihnen - früher oder später - auch klar, dass Jogginghose und Schule einfach nicht zusammenpassen, meinte die Knigge-Fachfrau, die mit ihren Benimm-Kursen vor allem an Schulen unterwegs ist.

Umfrage

Jogginghosen-Verbot an Schulen?

Ja 61%
Nein 34%
Weiß nicht / Mir egal 5%
Stimmen gesamt 413

Verbote sieht sie skeptisch, da sie schnell auch Trotzreaktionen auslösten. «Viele Jugendliche machen sich gar keine Gedanken darüber, wie sie auf andere wirken», sagte Nopper. Ihnen sei dann eben nicht klar, dass eine Jogginghose das Zeichen setzt: «Ich bin im Freizeitmodus.»

Und das könnten die Schulen ja nicht wollen, sagte Nopper zum derzeit bundesweit diskutierten Jogginghosen-Verbot in Schwieberdingen. Die Hermann-Butzer-Schule dort duldet schon seit Jahren keine Jogginghosen mehr, schließlich sei die Schule «keine Chillout-Zone», so Schulleiterin Ilse Riedl. Die benachbarte Glemstalschule will jetzt nachziehen.

«Kleidung ist ein Statement, eine Botschaft», sagte Nopper. «Sie prägt die Wahrnehmung der anderen.» Wenn den Kids das erst klar sei, kämen die meisten selbst auf die Idee, etwas anderes als Jogginghosen anzuziehen. «Die Jugendlichen entscheiden selbst, welches Bild die anderen Menschen von ihnen haben.»

Letztlich spiegele sich das aber auch anderswo: Mal in der Kantine zum Personal Danke sagen, am Esstisch nicht auf die Ellenbogen stützen, nicht schmatzen. Bei ihren Kursen versuche sie vor allem den respektvollen Umgang miteinander zu vermitteln, sagte Nopper. Die passende Kleidung könne dabei auch Signale setzten: «Wer zu einem Vortrag vor der Klasse etwas Schickes anzieht, wirkt doch gleich professioneller.»

Die ultraknappen Hotpants mancher Mädchen sieht Nopper übrigens noch kritischer: «In anderen Ländern gelten Frauen, die so was tragen, als leichte Mädchen.» Auch da müssten sich die Schülerinnen stets fragen: «Will ich das bewirken?» Und Leggings? «Wenn man die geeignete Figur dafür hat und der Anlass passt», hat Nopper damit keine Probleme.