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Im Schulunterricht lernen Kinder allerlei Dinge - doch werden sie auch auf ihr Leben vorbereitet? Eine neue Umfrage zeigt, dass viele Eltern und auch Lehrer nicht wirklich daran glauben.
Im Schulunterricht lernen Kinder allerlei Dinge - doch werden sie auch auf ihr Leben vorbereitet? Eine neue Umfrage zeigt, dass viele Eltern und auch Lehrer nicht wirklich daran glauben. © dpa
09.11.2018

Bereitet Schule auf das Leben vor? - Umfrage zeigt Zweifel daran

Stuttgart. Bei Eltern und Lehrern gibt es erhebliche Zweifel daran, dass die Kinder in der Schule auf ihr künftiges Leben vorbereitet werden.

In einer repräsentativen Forsa-Umfrage gaben bundesweit nur 33 Prozent der Eltern an, dass dieses Ziel erfüllt wird. Bei den Lehrern waren es 44 Prozent. Die Umfrage vom Mai und Juni dieses Jahres wurde am Freitag in Stuttgart vom Verband für Bildung und Erziehung (VBE) veröffentlicht. Demnach klafft insgesamt eine Lücke zwischen den Ansprüchen, die Lehrer und Eltern an die Wertevermittlung in der Schule haben, und der Wirklichkeit.

«Nicht ein einziges Bildungs- und Erziehungsziel kann aus Sicht von Lehrkräften in dem Maße umgesetzt werden, wie es hinsichtlich der Bedeutung eingeschätzt wird», sagte VBE-Landeschef Gerhard Brand. Ein Grund dafür sei, dass viele Ziele in den Bildungsplänen zu abstrakt formuliert seien und bei den Lehrern Fragen dazu aufwürfen, wie sie die Ziele im praktischen Unterricht umsetzen sollten. Bildungspläne legen die Unterrichtsinhalte fest. Brand forderte auch, bei der Lehrerausbildung und -fortbildung nachzusteuern.

Aus Sicht von Eltern und Lehrern werden laut der Umfrage noch am ehesten die Ziele erreicht, den Kinder die Gleichberechtigung zwischen den Geschlechtern, die Achtung der Menschenrechte und den Erwerb von sozialen Kompetenzen nahezubringen. Hingegen fallen der Einsatz für den Frieden, die Förderung der Heimatverbundenheit und eben die Vorbereitung auf das künftige Leben nach Eindruck von Eltern und Lehrern am ehesten als Ziele im Schulunterricht hinten runter.

Die Eltern messen der Schule bei der Wertevermittlung eine große Rolle zu: Bundesweit sagen 83 Prozent, die Schule sei hier wichtig. Der Familie schreiben diese Rolle 96 Prozent zu. Hingegen kommen den Kirchen und Religionsgemeinschaften aus Elternsicht mit 35 Prozent eine eher geringe Bedeutung bei der Wertevermittlung zu. Für die Umfrage wurden jeweils mehr als 1000 Eltern und Lehrer befragt, darunter jeweils 200 aus dem Südwesten.

Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) sagte mit Blick auf Baden-Württemberg: «Ein wichtiger Schritt für mehr Werteerziehung an den Schulen ist unser Beschluss, den Ethikunterricht ab dem Schuljahr 2019/20 schrittweise auszubauen.» Auch an den Grundschulen sei es aus ihrer Sicht notwendig, zukünftig Ethikunterricht anzubieten. «Deshalb lassen wir schon jetzt die Bildungspläne dazu erarbeiten.» In Arbeit sei auch eine «Leitperspektive» zur Demokratieerziehung.

Eisenmann will die Zusammenarbeit von Schulen und Eltern ausbauen. Dazu seien 2019 eine Reihe von Veranstaltungen geplant. «Wir werden in diesem Rahmen auch die Werteerziehung in den Blick nehmen.»