nach oben
20.05.2015

Bericht: Schon vor 2014 Hygiene-Mängel am Mannheimer Klinikum

Mannheim (dpa/lsw) - An der Hygiene hat es am Mannheimer Uniklinikum offensichtlich schon vor Jahren gemangelt - nicht erst seit Bekanntwerden des Klinikskandals im vergangenen Herbst. Nach einem Bericht des «Mannheimer Morgen» (Mittwoch) gab es beim Aufbereiten von Sterilgut wie OP-Instrumenten schon viel früher Probleme. So habe bereits 2007 das Regierungspräsidium Karlsruhe nach einer Begehung eine Mängelliste vorgelegt. Dies gehe aus dem 50-seitigen Abschlussbericht einer Expertenkommission hervor, die den Klinikskandal unter die Lupe genommen hat. Darin sei von «Unzulänglichkeiten, aber auch Verstößen gegen verbindliche Vorschriften die Rede».

Ein Sprecher der Stadt Mannheim bestätigte am Mittwoch im wesentlichen den Bericht. Er verwies aber darauf, dass die früheren Auffälligkeiten schon länger bekannt seien. Dem Klinik-Aufsichtsrat mit Mannheims Oberbürgermeister Peter Kurz (SPD) an der Spitze sei es darum gegangen, aus der Vergangenheit zu lernen. «Die Expertenkommission hat bestätigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind.»

Dem «Mannheimer Morgen» zufolge kritisierten die Experten bauliche Mängel, zu wenig und häufig unzureichend qualifiziertes Personal, unübersichtliche Verantwortlichkeiten und ein «nicht umgesetztes Risikomanagement». Es sei bekanntgewesen, dass Sets mit chirurgischem Besteck unvollständig gewesen seien und den OP-Instrumenten auch schon mal Gewebereste angehaftet hätten. Ob und wie die damalige Geschäftsführung auf die Mängelliste des Regierungspräsidiums vor acht Jahren reagierte, konnten die Experten nicht nachvollziehen - die Unterlagen dazu sind wohl bei der Staatsanwaltschaft.

Die ermittelt gegen sechs Klinikmitarbeiter - darunter laut Zeitung der frühere Klinikgeschäftsführer - wegen möglichen Verstößen gegen das Medizinproduktegesetz. Die Anklagebehörde prüft, ob die Mitarbeiter bei der Wartung und Reinigung medizinischer Geräte gegen Vorschriften verstoßen haben. Ein Sprecher wollte sich zum Stand der Ermittlungen nicht äußern.

Der Sprecher der Stadt Mannheim betonte indessen: «Der ganze Klinikbetrieb läuft wieder normal.» Er selbst würde sich «definitiv» in dem Krankenhaus behandeln lassen, wenn es nötig wäre. «In einem Haus, das so eine Sache durchgemacht hat, sind alle sensibilisiert», sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Ein zertifiziertes Spezialunternehmen reinige nun das fast komplett neue OP-Besteck. Es gebe neue Geräte, neue Vorschriften und mehr qualifiziertes Personal, das direkt an die Geschäftsleitung angebunden sei. Die Mitarbeiter seien auch angehalten, nun schon auf «mögliche Probleme» hinzuweisen.

Der Deutschen Stiftung Patientenschutz ist das nicht genug: «Mit dem Auswechseln des Geschäftsführers ist es nicht getan», sagte Stiftungsvorstand Eugen Brysch der Deutschen Presse-Agentur. Die Mängel seien seit Jahren bekanntgewesen. «Es ist wenig glaubwürdig, dass man davon überrascht war.» Aufgrund dieses «eindeutigen Versagens» müsse der Klinik-Aufsichtsrat zurücktreten, so Brysch.

Dass Klinikum war im vergangenen Herbst wegen der Hygieneprobleme in die Schlagzeilen geraten. Die Zahl der Operationen wurde zurückgefahren. Inzwischen läuft der Betrieb laut Stadt wieder normal. Aus Sicht des Klinikums kamen keine Menschen wegen der Hygienemängel zu schaden.