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Alfa-Bundesvize und -Landeschef Bernd Kölmel (links) blickt im Gespräch mit PZ-Redakteur Andreas Fiegel mit Zuversicht der Landtagswahl im März kommenden Jahres entgegen. Er ist Spitzenkandidat seiner Partei.  Foto: Ketterl
Alfa-Bundesvize und -Landeschef Bernd Kölmel (links) blickt im Gespräch mit PZ-Redakteur Andreas Fiegel mit Zuversicht der Landtagswahl im März kommenden Jahres entgegen. Er ist Spitzenkandidat seiner Partei. Foto: Ketterl
17.11.2015

Bernd Kölmel, Alfa-Bundesvize und -Landeschef: „Helfen, aber sinnvoll“

Im Parteienspektrum spielt die im Sommer gegründete Allianz für Fortschritt und Aufbruch (Alfa) derzeit kaum eine Rolle. Die aus der Alternative für Deutschenland (AfD) hervorgegangene Partei tut sich knapp vier Monate vor der Landtagswahl bisher schwer, Gehör zu finden bei den Bürgern. Bernd Kölmel, Alfa-Bundesvize und -Landeschef, lässt sich indes nicht entmutigen. Im PZ-Interview erklärt er, wie seine Partei in der verbleibenden Zeit Boden gutmachen will. Der Europaabgeordnete sprach sich in der Flüchtlingspolitik erneut für eine „Hilfskultur“ anstelle einer „Willkommenskultur“ aus.

PZ: Herr Kölmel, Alfa ist angetreten, um der nach rechts gedrifteten AfD Paroli zu bieten. Die Rechnung scheint noch nicht recht aufgegangen zu sein.

Bernd Kölmel: Ich möchte das ungern so stehenlassen. In der Tat ist es doch so: Eine neu gegründete Partei braucht nun mal eine gewisse Anlaufzeit. Es wäre für uns sehr überraschend gewesen, wenn wir im Juli den Bundesverband und im August den Landesverband gründen, wir im September schon bei allen Bürgern bekannt wären und diese uns wahrnehmen würden.

PZ: Aber Fakt ist: Kaum jemand spricht von Alfa. Und in den Umfragewerten dümpelt die Partei weit unter fünf Prozent. Warum fällt es Alfa so schwer, sich in Szene zu setzen?

Bernd Kölmel: Wie bereits gesagt: zum einen, weil wir neu gegründet sind, zum anderen, weil unser Kernthema – nämlich der Euro und das absehbare Scheitern dieser Gemeinschaftswährung – derzeit völlig überlagert ist von anderen Themen, wo andere Parteien durchaus auch sehr schrille Thesen verbreiten. Und in dieser polarisierten Welt kommt die Vernunft manchmal ein bisschen kurz.

PZ: Vor dem Hintergrund der Umfragewerte müssten Sie Ihr Ziel, am 13. März 2016 den Sprung in den Landtag zu schaffen, doch eigentlich schon abschreiben – oder?

Bernd Kölmel: Aber nein, gar nicht. Denn wir haben den Wahlkampf noch gar nicht begonnen. Es wäre völlig verfehlt, zwei Monate in den Aufbau des Landesverbandes zu investieren, um dann – ohne einen Wahlkampf – zu sagen, wir nehmen daran nicht teil. Im Gegenteil. Wir sind sehr überzeugt davon, dass wir mit unserer abgewogenen Position sehr viele Bürger erreichen werden.

PZ: Wie will Alfa in den verbleibenden knapp vier Monaten noch Boden gutmachen?

Bernd Kölmel: Dadurch, dass wir nun deutlich mehr an die Öffentlichkeit gehen, als wir es in den vergangenen Monaten konnten. Wir machen inzwischen sehr viele Veranstaltungen, sind auf Wochenmärkten präsent, verteilen unsere Flyer, haben national gesehen auch einige Medienauftritte, die wahrgenommen werden. Das alles ist Begleitmusik. Entscheidend ist für uns, wir wollen politisch klar machen, dass man uns braucht. Und davon sind wir überzeugt. Denn die CDU ist insbesondere unter Angela Merkel sozialdemokratisiert worden mit dem Ergebnis, dass die CDU über die Mitte sogar ins linke Spektrum hineingerutscht ist. Wir haben hierzulande eine Politik, die auch sachlich und fachlich in die falsche Richtung geht. So zeigt die CDU überraschend wenig Rückgrat in der Flüchtlingspolitik und pflegt auch zu wenig den Schulterschluss mit den Bürgern.

Die CDU hat bisher immer eine Philosophie vertreten, dass man eine vernunftorientierte Flüchtlingspolitik machen sollte, aber faktisch betreibt sie nun eine unvernünftige. Und das führt dazu, dass viele Wähler – und ich sage bewusst – vor Verzweiflung ein Protestzeichen setzen und im Moment ihre Sympathie Parteien bekunden, die völlig rechts, in einem braunen Sumpf angeln. Und da gehören diese Wähler nicht hin.

PZ: In der Flüchtlingskrise lehnt Ihre Partei den Begriff der „Willkommenskultur“ ab und setzt stattdessen auf eine „Hilfskultur“. Was bedeutet das konkret?

Bernd Kölmel: Wenn man Menschen sagt, ihr seid willkommen bei uns, dann ist das zwar ein wunderbares Zeichen der Gastfreundschaft. Aber willkommen kann man die Menschen nur so lange heißen, wie man auch die Möglichkeit hat, sie zu versorgen. Niemand von uns würde im Privaten sagen, ich heiße Tausende willkommen und habe in meinem Haus aber bloß für fünf Platz. Da würde ich diese Menschen absehbar enttäuschen. Das ist ein völlig falsches Signal. Aber genau so verhalten wir uns derzeit in Deutschland mit der ,Willkommenskultur‘.

PZ: Und was heißt nun „Hilfskultur“?

Bernd Kölmel: Die bedeutet: Wir sehen die Krisen, wir sehen die armen Menschen. Aber wir können in Deutschland nicht alle aufnehmen. Also müssen wir woanders helfen – und das heißt, dass wir dort Geld einsetzen müssen, wo wir am meisten Wirkung damit erzeugen können. Und das ist eindeutig möglichst nah an den Krisenherden. Dafür ist ein internationales Agieren erforderlich, wofür wir die UN brauchen. Wir von Alfa sagen, wir müssen in den Krisenregionen gut gesicherte Schutzräume schaffen, damit die Menschen nicht mehr fliehen müssen aus Angst, dass sie erschossen werden. Dafür übernehmen wir, die Weltgemeinschaft, die Patenschaft. Da alles muss finanziert werden. Und ich behaupte: Statt dass wir für einen Flüchtling in Deutschland 15 000 Euro oder noch mehr ausgeben, kann ich mit dem gleichen Betrag in den Krisenregionen 30, 50 oder noch mehr Menschen helfen. Das ist für mich ,Hilfskultur‘ – helfen, aber sinnvoll helfen.

PZ: Wenn Sie Ihre einstige politische Heimat, die AfD, heute betrachten, was fällt Ihnen da zum Beispiel angesichts eines Björn Höcke ein, der mit rechts-nationalen Parolen auf Stimmenfang geht?

Bernd Kölmel: Leider ist es in dieser Partei so gekommen, wie wir es befürchtet haben. Diese Entwicklung hat sich zu Beginn des Jahres abgezeichnet. Wir, auch insbesondere ich, haben uns dagegengestemmt mit den uns zur Verfügung stehenden politischen und demokratischen Mitteln. Es hat nichts genützt. Deshalb sage ich, Deutschland hat eine anständige Wahlalternative verdient, die nicht so weit ins rechte Lage abdriftet, dass man von einer ,tausendjährigen Geschichte‘ redet. Ich finde die Entwicklung bei der AfD unsäglich. So etwas darf man politisch nicht unterstützen.