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Das duale System ist Markenkern der Berufsausbildung. Den Auszubildenden drohen aber auch im neuen Schuljahr Unterrichtsausfälle.  Foto: dpa
Das duale System ist Markenkern der Berufsausbildung. Den Auszubildenden drohen aber auch im neuen Schuljahr Unterrichtsausfälle. Foto: dpa
05.09.2016

Berufsschullehrer mahnen Verstärkung an

Ungeachtet des vor wenigen Tagen verkündeten Rekords bei den Lehrereinstellungen verlangen die Berufsschullehrer weitere personelle Verstärkung. Die ihnen zugewiesenen 1300 Lehrerstellen könnten zwar die frei werdenden ausgleichen, aber immer noch nicht den im Stundenplan berücksichtigten Unterrichtsausfall von insgesamt 1,8 Prozent. Für zusätzliche Anforderungen seien mindestens 880 Stellen für das Schuljahr 2017/18 nötig, forderte der Landeschef des Berufsschullehrerverbands (BLV), Herbert Huber, am Montag in Stuttgart.

Das Thema werde bereits bei den Haushaltsberatungen im Herbst eine Rolle spielen. „Nach der Lehrereinstellung ist vor der Lehrereinstellung“, sagte Huber, dessen Verband über 10.000 Lehrer an rund 300 beruflichen Schulen vertritt.

Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) hatte – wie berichtet – vergangene Woche verkündet, dass im neuen Schuljahr rund 6600 neue Lehrer unterrichten sollen. Allerdings konnten 672 Stellen bisher nicht besetzt werden, davon 250 an den beruflichen Schulen. Grund: Die jungen Lehrer wollen nicht aufs Land gehen, und Spezialisten für Technik, Gewerbe oder Betriebswirtschaftslehre zieht es nicht in den Schuldienst. Ein weiterer Grund für Absagen ist auch die späte Information über Einstellungsort und Unterrichtsumfang im Juni. Den Schulen würden nach Ansicht des BLV frühzeitige und erweiterte Möglichkeiten der schulgenauen Stellenausschreibung helfen. Es müssten 80 Prozent – statt weniger als 50 Prozent – der Stellen mit schulbezogenen Anforderungen gesucht werden können.

Eisenmann bezeichnet die Personalsituation an den beruflichen Schulen als „so gut wie nie zuvor“. Neben dem Ersatz für frei werdende Stellen gebe es 305 Stellen für das Unterrichten von Flüchtlingen sowie 20 für sonderpädagogische Dienste. Die Ministerin betonte: „Wir investieren in die beruflichen Schulen in Baden-Württemberg und damit in einen unverzichtbaren Bestandteil unseres Bildungssystems.“

Die Industrie- und Handelskammern stellten sich hinter die Forderung nach mehr Lehrerstellen und veränderten Einstellungsverfahren. Denn für die Teilzeitschüler im dualen System belaufe sich das strukturelle Defizit sogar auf 5,8 Prozent (2015). Laut einer aktuellen Umfrage bei Ausbildungsbetrieben beklagten rund 43 Prozent der 2000 teilnehmenden Betriebe im Land Unterrichtsausfälle an Berufsschulen.

Die in der Vergleichsstudie „Vera“ diagnostizierten Defizite in Lesen, Schreiben, Rechnen bei Achtklässlern im Südwesten machen aus Sicht des BLV verstärkte Förderung beim Übergang in die beruflichen Gymnasien und Berufskollegs notwendig. Die Schüler kommen laut Huber aus Werkreal- und Realschulen mit guten Noten, hätten aber dann große Probleme. Der Verband veranschlagt hierfür 230 Stellen.

Weitere 350 Stellen wünscht sich der Lehrerverband für eine längere wöchentliche Berufsschulzeit, um sowohl schwache als auch leistungsstarke Schüler besser fördern zu können. Die Integration behinderter Schüler an beruflichen Schulen schlägt in dem Forderungskatalog des Verbandes mit 100 und eine schulbezogene Vertretungsreserve mit 200 Stellen zu Buche.