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Symbolbild: dpa

Betrug mit falschen Polizisten: Fast 7 Millionen Euro Schaden im Südwesten

Stuttgart. Wenn Gesetzeshüter vor der Tür stehen, gehorchen viele Menschen blind. Dieses Vertrauen nutzen Kriminelle vermehrt für ihre Zwecke aus.

Immer häufiger rufen sogenannte falsche Polizisten bei Rentnern an und und gaukeln ihnen vor, Hab und Gut seien durch Verbrecher bedroht. Die Zahl sei in den vergangenen Jahren in Baden-Württemberg geradezu explosionsartig gestiegen und werde weiter zunehmen, sagt der Präsident des Landeskriminalamts, Ralf Michelfelder. Wurden vor zwei Jahren noch knapp 2000 Anrufe gezählt, so waren es im vergangenen Jahr über 7200.

Die gute Nachricht: Die weitaus meisten Betrüger scheitern bereits beim Anruf oder spätestens an der Haustüre ihrer Opfer. Dennoch entstand laut LKA 2018 ein Schaden von fast 6,78 Millionen Euro.

Bei der Betrugsmasche geben sich die Täter am Telefon als Polizisten aus und bringen das oft alleine lebende Opfer dazu, einem Boten Geld oder Wertsachen zu geben. Manche überzeugen ältere Menschen davon, dass die Polizei vermeintliches Falschgeld prüfen muss. Andere versichern, die Beamten würden Bargeld und Wertsachen vor Kriminellen retten, die einen Einbruch planen.

Der Betrug als falscher Polizist erinnert an den Enkeltrick, bei dem sich Kriminelle am Telefon als gute Bekannte, Enkel, Neffe oder sogar als Kind ausgeben und eine finanzielle Notlage vortäuschen. Ist das Opfer zur Zahlung bereit, kommt oft ein Bote ins Spiel, der das Geld abholt. Insgesamt wurden in Baden-Württemberg fast 1500 derartige Fälle im vergangenen Jahr registriert (2017: 944) mit einem Schadensvolumen von insgesamt rund 2,49 Millionen Euro (2017: 1,52 Millionen).

„Eigentlich geht es bei beiden Dingen um das gleiche, nur mit unterschiedlichem Ansatz: Es geht darum, ältere Menschen an ihrer Leichtgläubigkeit und Hilfsbereitschaft zu packen“, sagt Michelfelder. „Bei falschen Polizisten kommt noch hinzu, dass das Vertrauen in die echte Polizei massiv darunter leidet.“ In einzelnen Fällen müssten sogar uniformierte Kollegen eingesetzt werden, „weil den Kriminalbeamten in Zivil nicht mehr geglaubt wird“.

„Dabei sind wir ja eigentlich froh, wenn die Leute misstrauisch sind und das Ganze hinterfragen“, sagt Steffen Mayer, der Landesvorsitzende des Bunds Deutscher Kriminalbeamter. „Aber es macht uns eben auch die Arbeit schwer.“

Ziel der Fahnder ist es nach den Worten Michelfelders nicht nur, den einzelnen Abholer an der Haustüre der Senioren zu fassen. „Wir wollen vor allem die Call Center zerschlagen, die meistens in der Türkei liegen.“ Das Vorgehen dort ist meist gleich: „Da schaut man zum Beispiel nach den Vornamen in einer baden-württembergischen Kommune, pickt sich die Menschen mit älter klingenden Vornamen wie Adolf oder Berta heraus – und dann wird da durchtelefoniert.“