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Die wenigsten jungen Pädagogen wollen aufs Land.  Foto: dpa
Die wenigsten jungen Pädagogen wollen aufs Land. Foto: dpa
07.09.2016

Bildungsgewerkschaft GEW befürchtet deutliches Gefälle bei Lehrer-Qualität

Junge Pädagogen zieht es mehr und mehr in die Städte. Hunderte der im neuen Schuljahr bisher unbesetzten Lehrerstellen, die das Kultusministerium auf 672 beziffert, seien auf dem Land, sagte die Landeschefin der Lehrergewerkschaft GEW, Doro Moritz, gestern in Stuttgart. „Wir werden ein deutliches Stadt-Land-Gefälle bei der Unterrichtsversorgung bekommen.“ Manche Junglehrer entschieden sich sogar bewusst für eine befristete Stelle in der Stadt, auch wenn ihnen Beamtenstellen auf dem Land winkten. „Wer in Freiburg leben will, will eben nicht in den Hochschwarzwald.“

Für die betroffenen Schulen bedeute dies, dass Angebote über den Pflichtunterricht hinaus gestrichen werden müssten, zum Beispiel Arbeitsgemeinschaften, Extra-Förderung und Klassenteilungen. In beruflichen Schulen drohe die Überstundenbugwelle anzusteigen. Damit die Engpässe nicht zu Unterrichtsausfall führten, solle die feste Lehrerreserve von derzeit 1666 um 1000 Stellen aufgestockt werden, verlangte die Gewerkschafterin. Dann würde sich dieser Stellenpool auf 2,5 Prozent des gesamten Lehrpersonals belaufen – ein Anteil, der dem Bundesschnitt entspreche.

Die ehemalige Lehrerin bezeichnete sich selbst als Landfan und äußerte ihr Unverständnis über den Trend. Mögliche Zulagen für Lehrer in ländlichen Gebieten schloss sie aus. Gegensteuern könne man nur, wenn man den Beruf und seine Rahmenbedingungen insgesamt attraktiv halte. Dazu gehöre auch, dass die Politik nicht weiter im Staatsdienst den Rotstift ansetze oder dies öffentlich in Erwägung ziehe.

Die Sicherheit der Arbeitsplätze als Beamter spiele dann eine untergeordnete Rolle, wenn sich in einem wirtschaftlich prosperierenden Bundesland wie Baden-Württemberg andere Jobs anböten. Wenn die Landesregierung die Tarifsteigerung im öffentlichen Dienst nicht mehr in gleicher Höhe auf die Beamten zu übertragen gedenke, werde die GEW dies mit Demonstrationen quittieren.

Moritz nahm angesichts der schlechten Ergebnisse in der jüngsten Bildungsstudie „Vera 8“ die Lehrer in Schutz. Anstatt sie für die miserablen Resultate beim Lesen, Schreiben, Rechnen in den achten Klassen verantwortlich zu machen, gelte es, eine Qualitätsoffensive zu starten. Im Jahr gebe das Land im Schnitt nur 60 Euro pro Kopf für Lehrerweiterbildung aus. Das sei viel zu wenig.

Nicht nur müsse mehr Geld in die Weiterqualifizierung fließen, die Angebote müssten auch besser aufeinander abgestimmt werden. Die Fortbildner müssen nach Meinung von Moritz besser entlohnt werden. Die Gewerkschaft forderte die grün-schwarze Koalition auf, eine Enquete-Kommission des Landtags zu „Fortbildung und Qualitätsentwicklung an allgemeinbildenden Schulen“ einzurichten.