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Die Fastnacht ist in diesem Jahr besonders kurz. Da bleibt den Zünften nach eigener Aussage wenig Zeit, um Flüchtlinge einzubeziehen. Längerfristig wollen die Narren aber auf Asylbewerber setzen - beispielsweise bei der Suche nach Nachwuchs.
Die Fastnacht ist in diesem Jahr besonders kurz. Da bleibt den Zünften nach eigener Aussage wenig Zeit, um Flüchtlinge einzubeziehen. Längerfristig wollen die Narren aber auf Asylbewerber setzen - beispielsweise bei der Suche nach Nachwuchs. © dpa
03.02.2016

Bislang wenig Berührungspunkte zwischen Flüchtlingen und Fastnacht

Konstanz (dpa/lsw) - Gruselige Holzmasken, phantasievolle Gewänder, Narren, die auf der Straße Schabernack treiben: Für Flüchtlinge im Südwesten müssen die Bräuche der schwäbisch-alemannischen Narrenzunft seltsam wirken. Bislang gibt es auch noch wenig Berührungspunkte zwischen Narrenzünften und Asylbewerbern. Der Grund dafür sei aber nicht die mangelnde Bereitschaft der Vereine, sagte der Präsident des Alemannischen Narrenrings (ANR), Augustin Reichle, der Deutschen Presse-Agentur. «Die Fastnacht ist in diesem Jahr aber besonders kurz, da häufen sich die Termine und die Vereine sind relativ ausgebucht.» Neben den Veranstaltungen gebe es daher wenig Zeit, noch aktiv auf Flüchtlinge zuzugehen.

Außerdem beschäftige die Zünfte derzeit ein anderes Thema stark: Nach den Übergriffen auf Frauen in der Silvesternacht in Köln stehe die Sicherheit stark im Vordergrund, sagte Reichle. So sei bereits bei größeren Veranstaltungen mehr Polizeipräsenz zu spüren. Die Beamten wollen nach eigenen Angaben im Rahmen des landesweit aufgelegten 5-Punkte-Programms unter anderem mobile und stationäre Videoüberwachung während der närrischen Tage nutzen, um Vorfälle wie in Köln zu verhindern.

Auch bei der Vereinigung Schwäbisch-Alemannischer Narrenzünfte (VSAN) gibt es derzeit nicht viele konkrete Treffen zwischen Flüchtlingen und Zünften. Allerdings versuchten die Vereine, während der Umzüge auch auf Asylbewerber zuzugehen und ihnen die Bräuche zu erklären, sagte VSAN-Sprecher Volker Gegg.

So seien beispielsweise beim Offenburger Narrentag im Januar auch Flüchtlinge unter den Zuschauern gewesen. «Sie haben sich gewundert, was los ist», sagte Gegg. Die Narren hätten sich daher am Rande des Umzugs Zeit genommen, den Menschen zu erklären, was es mit dem Brauchtum auf sich habe. «Damit die Leute keinen so großen Kulturschock kriegen.» Offenbar mit Erfolg: «Die Asylbewerber haben ihr Smartphone gezückt und Selfies mit den Narren gemacht», sagte Gegg.

Dabei setzten die Zünfte durchaus auf die Neuankömmlinge, sagte Gegg. Für die Vereine sei es immer schwerer, Menschen für die ehrenamtliche Arbeit zu finden - im Idealfall könne man dafür mit der Zeit auch Flüchtlinge gewinnen. «Warum nicht», sagte Gegg. In den 60er und 70er Jahren seien beispielsweise auch viele Gastarbeiter aus Italien nach Deutschland gekommen, von denen inzwischen viele in den Fastnachtsvereinen aktiv seien. «Da sehe ich wenige Hindernisse.»