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27.07.2015

Bodenlos – Vilém Flusser & die Künste im ZKM

"Ins Universum der technischen Bilder", "Lob der Oberflächlichkeit" oder "Für eine Philosophie der Fotografie" – mit solchen programmatischen Titeln avancierte Vilém Flusser (1920–1991) zu einem der einflussreichsten Denker der Kommunikation und der Medien in den letzten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts. Im positiven Sinn nahm er die Herausforderung an, die Künste noch einmal neu zu denken im Angesicht der Tatsache, dass unsere Existenz im Wesentlichen technisch geworden ist. In der Art eines Parcours lädt die Ausstellung Bodenlos – Vilém Flusser und die Künste dazu ein, die Bewegung der flüchtigen Existenz Vilém Flussers als ein Modell für jene Gewalt des Zusammenhangs vorzustellen, den wir das 20. Jahrhundert nennen.

Flussers Denken und Schreiben war ein permanentes Experiment des (Über-)Lebens in der Diaspora. Als Neunzehnjähriger floh der Prager vor den anrückenden Nazis über England nach Brasilien, wo er dreißig Jahre lang lebte. Während der Militärdiktatur kehrte er zurück nach Europa, lebte in Italien, in der Schweiz sowie fast zwanzig Jahre in Frankreich. Ende der 1980er-Jahre wurde er zum Star der Medientheorie in Europa und trat als solcher häufig in den akademischen Foren und Arenen Deutschlands auf.

Der unwirklich gewordenen Vergangenheit begegnete Flusser mit einer verstärkten Antizipation dessen, was den Beginn des 21. Jahrhunderts ausmacht – vermittels der Künste und seines Schreibens. In der Ausstellung treten zu den Manuskripten, Bild- und Tondokumenten, digitalen Artefakten, Reiseaufzeichnungen und Korrespondenzen auch Arbeiten von rund 30 KünstlerInnen, auf die Flusser Bezug nimmt und die mit ihm korrespondiert oder zusammengearbeitet haben wie Louis Bec und Fred Forest. Diese beiden Weggefährten Flussers werden auch zu den Talks am Freitag, den 14. August anwesend sein.

Rahmenprogramm

Freitag, 14. August 2015, ab 14.00 Uhr

Flusser Talks

Im Rahmen der Ausstellung Bodenlos – Flusser und die Künste finden Podiumsdiskussionen statt. Im Zentrum des ersten Talks Bodenlos – Without Firm Ground steht Flussers Philosophie vom Denken in Bewegung, in der Diaspora, von der Nomadologie und Disziplinlosigkeit. Kategorien wie die Nachgeschichte, der neue Entwurf des Subjekts als Projekt und der telematische Dialog als Gemeinschaft Gleichgesinnter werden einer kritischen Überprüfung unterzogen. Der zweite Talk Flusser and the Artists widmet sich der Kunst als Möglichkeitsraum, als einzige Heimat, die Flusser neben dem Text akzeptiert hat.

PROGRAMM

Freitag, 14. August 2015

14.00 Uhr Bodenlos – Without Firm Ground

Diskussionsrunde mit Steffi Winkler, Rainer Guldin, Nils Röller, Florian Rötzer und Andreas Ströhl

Sprache: Deutsch

16.30 Uhr Flusser and the Artists

Diskussionsrunde mit Baruch Gottlieb, Marcel René

Marburger, Louis Bec, Fred Forest, Pinar Yoldas

Sprache: Englisch

 

Samstag, 15. August 2015

11.00 Uhr Führung mit dem Kurator Baruch Gottlieb im Gespräch mit Flusser-Experte Marcel René Marburger

Sprache: Englisch und Deutsch

Kosten: Museumseintritt

Vom 19. November 2015 bis 10. Januar 2016 wird die nomadisch angelegte Ausstellung in der Akademie der Künste in Berlin zu sehen sein.