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Ein Umweltgift führt zur Vernichtung von 9000 Kilogramm Honig am Bodensee. Foto: dpa
honig © dpa
18.08.2011

Bodensee-Honig kommt in Biogas-Anlagen

TETTNANG/STUTTGART. Die Honigernte rund um den Bodensee fällt sehr unterschiedlich aus. Während viele Imker auf deutscher Seite ihren Honig wegen eines Umweltgifts vernichten müssen, freuen sich die Vorarlberger Imker über eine gute Ernte. Auf Schweizer Seite werden Imker, deren Honig durch ein Pflanzenschutzmittel belastet ist, deutlich höher entschädigt als hierzulande.

Auf deutscher Seite werden 9000 Kilogramm belasteter Honig demnächst in einer Biogasanlage vernichtet. Der Honig werde zuvor im Kompetenzzentrum Obstbau-Bodensee in Bavendorf (Kreis Ravensburg) gesammelt, sagte ein Sprecher des Agrarministeriums. Die Imker am Bodensee und im Kreis Ravensburg müssen damit einen Großteil ihrer Ernte vernichten. Grund sind Antibiotika-Rückstände in Honigproben. In mehr als der Hälfte von 184 Proben waren die Grenzwerte für das Pflanzenschutzmittel Streptomycin überschritten. Werner Vooren, Vorsitzender des Kreisimkervereins Tettnang-Friedrichshafen geht davon aus, dass 70 bis 80 Prozent der Proben aus dem Verein belastet sind. «Der Schaden ist massiv.»

Die getesteten Proben stammten aus Anlagen rund um gespritzte Obstanlagen und kommen vor allem aus den Landkreisen Ravensburg, Konstanz und dem Bodenseekreis. Grund für die hohe Zahl der Grenzwertüberschreitungen ist das Zusammenfallen der Vollblüte der Obstbäume am Bodensee mit der Behandlung gegen die gefährliche Baumkrankheit Feuerbrand in den Plantagen.

Auf Schweizer Seite müssen ebenfalls neun Tonnen Honig entsorgt werden. Die Proben von Imkern auf österreichischer Seite des Bodensees seien nicht belastet, sagt der Präsident des Vorarlberger Imkervereins Egon Gmeiner. «Wir hatten ein gutes Jahr.» Das Mittel sei erst nach Ende des Bienenflugs und nur bei den empfindlichen Sorten und Jungbäumen eingesetzt worden, teilt die Landwirtschaftskammer Vorarlberg auf Anfrage mit.

Groß ist die Enttäuschung auf deutscher Seite. «Es kann nicht sein, das wir jedes Jahr Honig vernichten müssen», sagte Vooren. Die Entschädigung von insgesamt 45 000 Euro liege weit unter dem Marktpreis. Außerdem hätten viele der 125 Vereinsmitglieder bald gar keinen Blütenhonig mehr zu verkaufen.

Laut Agrarministerium entschädigt der Landesverband Erwerbsobstbau die Imker mit fünf Euro pro Kilogramm. Die Schweizer Obstbauern zahlen den Imkern dagegen 20 Schweizer Franken (etwa 17 Euro) pro Kilo, sagt Markus Harder, Chef des Landwirtschaftsamts im Kanton Thurgau.

«Weder die Imker noch die Obstbauern sind erfreut über die Situation», heißt es im Stuttgarter Ministerium. Allerdings handle es sich bei dem belasteten Honig um einen sehr geringen Teil der Honigernte im Südwesten. Es bestehe Hoffung, dass in den nächsten Jahren ein Alternativpräparat gefunden wird. Bei Versuchen im Kompetenzzentrum Obstbau-Bodensee sei ein Wirkstoff positiv getestet worden. Streptomycin sei in diesem Jahr auch nur einmal und nicht wie in den Vorjahren drei Mal angewendet worden. Eine Gefahr für Verbraucher bestehe nicht, da der belastete Honig gar nicht in den Verkauf komme. dpa