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Boris Palmer bleibt Oberbürgermeister von Tübingen und kann damit in seine zweite Amtszeit starten.
Palmer © dpa
19.10.2014

Boris Palmer klarer Sieger bei OB-Wahl in Tübingen

Tübingen bleibt grün: Boris Palmer ist mit deutlicher Mehrheit als Oberbürgermeister von Tübingen wiedergewählt worden und kann damit in seine zweite Amtszeit starten. Laut vorläufigem Endergebnis setzte sich der Grünen-Politiker am Sonntag mit 61,7 Prozent der Stimmen durch.

Die von den konservativen Parteien unterstützte Beatrice Soltys (parteilos) kam auf 33,2 Prozent.

Palmer zeigte sich erleichtert und versprach seinen Wählern: «Es wird so bleiben, dass ich klare Aussagen mache und nicht um den heißen Brei herumrede. Geradlinigkeit ist etwas, was in der Politik gesucht wird, für das es einen Bedarf gibt.» Allerdings müsse er auf die Balance achten. Das Ergebnis von fast einer Zweidrittel-Mehrheit sei «große Freude, große Verantwortung», sagte der von Tübingern umjubelte 42-Jährige in einer Mensa.

Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) zeigte sich erfreut über «das hervorragende Ergebnis» für Palmer: «Es ist wichtig für Tübingen, und gut für das Land. Und es ist der verdiente Lohn für die Leistungen, die Palmer in den vergangenen acht Jahren für die Stadt erbracht hat.» In den Bereichen Klimaschutz, Stadtentwicklung, Kinderbetreuung und Wirtschaftspolitik habe er Wegweisendes für die Universitätsstadt geschaffen.

Die von den konservativen Parteien unterstützte Beatrice Soltys (parteilos) kam auf 33,2 Prozent. Die beiden weiteren Kandidaten - der Philosoph und Musiker Markus Vogt sowie der Lagerist Hermann Johannes Saßmannshausen - hatten bereits im Vorfeld als Außenseiter gegolten. Insgesamt waren rund 66 000 Menschen zur Stimmabgabe aufgerufen. Die Wahlbeteiligung lag bei 55,0 Prozent.

Vor acht Jahren hatte Palmer 50,4 Prozent der Stimmen erzielt und war damit zum ersten grünen Rathauschef in Tübingen geworden. Seitdem machte er die Unistadt zu einem Vorreiter beim Klimaschutz. Bis vor einigen Jahren war er außerdem regelmäßig für einflussreiche Posten in der Landes- oder Bundespolitik im Gespräch - doch zuletzt hatte er sich mit seinen realpolitischen Positionen in der eigenen Partei zunehmend isoliert.

Mit dem Erfolg des Mathematikers gibt es im Südwesten nach Angaben des Grünen-Landesverbandes weiterhin sieben amtierende grüne Bürgermeister. In Maselheim (Kreis Biberach) machte Elmar Braun 1991 den Anfang und wurde Deutschlands erster grüner Bürgermeister.

Die Grünen-Spitze gratulierte Palmer. «Boris Palmer ist ein hervorragender Oberbürgermeister, der die Stadt Tübingen in den vergangenen Jahren ökologisch, sozial und wirtschaftlich weit nach vorne gebracht hat», sagten die baden-württembergischen Landesvorsitzenden Thekla Walker und Oliver Hildenbrand.

Auch der Grünen-Bundesvorsitzende Cem Özdemir lobte den Parteifreund: «Er hat gezeigt, wie unser grünes Konzept der ökologischen Modernisierung praktisch funktionieren kann.» Unter anderem habe er dazu beigetragen, dass sich innerhalb eines Jahrzehnts die Gewerbesteuereinnahmen verdreifacht hätten.