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© Symbolbild: dpa
28.10.2015

Brand im Asylbewerberheim: Zeugen entlasten Angeklagten 

Stuttgart. Drei Jahre nach einem Brand in einem Stuttgarter Asylbewerberheim haben Zeugen den wegen versuchten Totschlags angeklagten Ex-Heimbewohner im Prozess vor dem Landgericht entlastet. Fünf Mitbewohner aus dem Stuttgarter Heim sagten am Mittwoch, das Feuer sei aus der Küche und nicht vom Schlaflager des Beschuldigten gekommen. 

Dem 44-Jährigen wird auch vorsätzliche Brandstiftung vorgeworfen. Bei dem Feuer im August 2012 waren 9 der 33 Heimbewohner verletzt worden. Ein Mann erlitt schwere Brandverletzungen und Brüche. Ermittlungen ergaben allerdings, dass der Brand vom Bett des Angeklagten ausging, wie der Staatsanwalt am Mittwoch sagte. Vermutlich habe der Mann geraucht und sei eingeschlafen. Es fehlten Beweise dafür, dass er das Feuer absichtlich gelegt haben könnte.

Das Amtsgericht Stuttgart hatte den Fall bereits im Dezember 2014 verhandelt - zunächst wegen fahrlässiger Brandstiftung. Weil dort eine 35-jährige Zeugin den Angeklagten belastete, kam der Vorwurf des versuchten Totschlags hinzu. Damit ging das Verfahren ans Landgericht. Die Frau hatte damals ausgesagt, dass der Angeklagte die Brandstiftung zugegeben habe.

Sie ist eine entfernte Bekannte des Angeklagten und war am Mittwoch als Zeugin vors Landgericht geladen. Sie widersprach ihren früheren Aussagen bei der Polizei und am Amtsgericht. Ob der Angeklagte ihr gegenüber je ein Geständnis abgelegt hatte, blieb fraglich. Nur so viel berichtete sie: Er habe ihr einmal gesagt, er wolle etwas unternehmen, um endlich aus dem Asylheim herauszukommen. Dass er das Heim anzünden wolle, habe er jedoch nie angekündigt. Als sie ihm gesagt habe, dass sie ihn für den Brandstifter halte und anzeigen werde, habe er sie mit dem Tod bedroht.

Der Staatsanwalt hielt die Aussage der Frau am Mittwoch für nicht überzeugend. Er gehe davon aus, dass der Angeklagte nur wegen fahrlässiger, nicht aber wegen absichtlicher Brandstiftung oder versuchten Totschlags verurteilt werde. Ein Urteil könnte bereits nächsten Mittwoch, 4. November, fallen.