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Die Feuerwehr ist am ersten Weihnachtsfeiertag an der im Bau befindlichen Flüchtlingsunterkunft in Schwäbisch Gmünd im  Einsatz. Ermittler gehen davon aus, dass das Feuer gelegt wurde. Foto: dpa
Die Feuerwehr ist am ersten Weihnachtsfeiertag an der im Bau befindlichen Flüchtlingsunterkunft in Schwäbisch Gmünd im Einsatz. Ermittler gehen davon aus, dass das Feuer gelegt wurde. Foto: dpa
27.12.2015

Brand in Flüchtlingsheim: Schwäbisch Gmünd wehrt sich gegen rechte Gewalt

„Ganz ehrlich: Das ist ein Scheißgefühl“, sagt Ramin Amiri. Der 20-Jährige steht am Sonntagabend auf dem Marktplatz in Schwäbisch Gmünd, mitten unter Hunderten Bürgern mit Kerzenlichtern. Amiri kam vor sechs Jahren als Flüchtling nach Deutschland. Seit vier Jahren lebt er bereits in der beschaulichen Stadt im Ostalbkreis, er spricht gutes Deutsch. An Weihnachten brannte hier ein Flüchtlingsheim. Amiri fühlt sich eigentlich wohl. „Alle hier waren freundlich zu mir. Aber das schockiert.“ Er will nun ein Zeichen setzen. Aber er sagt auch: „Natürlich hat man Angst.“

Kurz nach Sonnenuntergang kommen Hunderte Bürger unter dem Weihnachtsbaum auf dem Marktplatz zusammen, laut Stadtverwaltung sind es 800 Menschen. Viele Rettungskräfte und Feuerwehrleute sind da. Auf einem Pappdeckel steht „Unrecht bringt Unglück für alle“, eine bunte Friedensflagge weht über den Köpfen. Es ist kalt, als die Stimme von Oberbürgermeister Richard Arnold (CDU) über den Platz hallt. „Das ist ein Licht der Offenheit gegen Dumpfheit und Dunkelheit“, sagt er. Die Bürger halten Kerzen hoch, klatschen immer wieder kräftig. Arnold verliest die „Gmünder Erklärung“ zusammen mit dem Gemeinderat, es geht darin um eine Willkommenskultur, um Toleranz und Nächstenliebe. In die Praxis übertragen geht es um dezentrale Unterbringung, um Teilhabe, Sprachunterricht, Mitmachen und Ehrenamt. Viele Bürger engagierten sich und hätten mittlerweile Flüchtlinge bei sich aufgenommen, erzählt Oberbürgermeister Arnold.

Brandstifter legen an Weihnachten in einer geplanten Flüchtlingsunterkunft Feuer. Rein zufällig sieht eine vorbeikommende Streife der Bosch-Werksfeuerwehr am Freitag gegen 3.30 Uhr die Flammen und löscht umgehend. Den Schaden schätzt die Polizei auf etwa 20.000 Euro. Wäre der Brand nur 15 bis 30 Minuten später entdeckt worden, wäre von dem aus Holz errichteten Gebäude vermutlich nicht mehr viel übrig gewesen. Die Unterkunft soll trotzdem vom Frühjahr an bis zu 120 Flüchtlingen eine Bleibe bieten.

„Ein Gebäude ist angezündet worden, aber eigentlich waren die Menschen gemeint, die hier Zuflucht finden sollen“, sagt die neue Dekanin der Stadt, Ursula Richter. „Was geschehen ist, ist eine Wunde in unserer Stadt.“