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Diese Luftaufnahme zeigt den Fernsehturm in Stuttgart. Der wird nun aus Brandschutzgründen geschlossen.   © dpa
27.03.2013

Brandschutz: Stuttgarter Fernsehturm muss geschlossen werden

Das Wahrzeichen der Stadt Stuttgart, der Fernsehturm, muss aus Brandschutzgründen für den Besucherverkehr geschlossen werden. Das teilte Oberbürgermeister Fritz Kuhn (Grüne) am Mittwoch in Stuttgart mit.

«Bei einem Brand würde der Fernsehturm zu einer lebensbedrohenden Falle für die Besucher», sagte er. Eine Evakuierung dauere mindestens eine Stunde - das sei zu lang. Schon von diesem Donnerstag an werde kein Besucherverkehr mehr möglich sein. Nur Technikern sei der Zugang weiterhin erlaubt.

Der Südwestrundfunk (SWR) reagierte sehr überrascht: «Dass der Fernsehturm jetzt aus Sicherheitsgründen kurzfristig geschlossen werden muss, trifft uns völlig unvorbereitet», sagte Siegfried Dannwolf, Geschäftsführer der SWR Media Services GmbH, am Mittwoch laut Mitteilung.

Kuhn sagte, die Risikobewertung habe sich im Laufe der Zeit in Deutschland und in Stuttgart so geändert, dass es heute keine andere Möglichkeit mehr gebe, als den Besucherverkehr auf dem 217 Meter hohen Turm zu untersagen. Die Fluchtmöglichkeiten seien unzureichend. Nach Angaben von Kuhn müssten im Notfall zwischen 100 und 250 Menschen in Sicherheit gebracht werden - und zwar über eine sehr enge Treppe im Turm. Ob das beliebte Bauwerk irgendwann wieder für den Besucherverkehr geöffnet werden kann, ist noch unklar.

Der SWR habe bei der Turmsanierung 2011 mit Millionen-Aufwand den Brandschutz auf den neuesten Stand gebracht, sagte Dannwolf. Dabei seien alle Auflagen der Städtischen Behörden erfüllt worden. «Wir werden nun prüfen, wie wir die für uns neuen und nicht absehbaren Auflagen erfüllen können und ob ein wirtschaftlicher Betrieb dann überhaupt noch möglich ist.» Ziel sei es, das einzigartige Bauwerk und Wahrzeichen der Landeshauptstadt für die Bürger zu erhalten.

Der 1956 offiziell eröffnete Fernsehturm war der erste Stahlbetonfernsehturm der Welt. Er wurde zum Vorbild für viele andere Türme - etwa für die Space Needle in Seattle (USA). Bis zuletzt war der Stuttgarter Fernsehturm auch ein beliebtes Touristenziel. Im Turmkorb, zu dem man über Aufzüge gelangt, befinden sich ein Café, die Technik des Südwestrundfunks (SWR) und zeitweise ein Theater. Laut Kuhn war eine Genehmigung für das Theater ausgelaufen. Bei der Prüfung des neuen Antrags seien die Brandschutzlücken aufgefallen.

Kuhn räumte ein, dass ihm die Entscheidung zur Schließung schwer gefallen sei, da er die Bedeutung des Fernsehturms für Stuttgart und Baden-Württemberg kenne. Wenn der Turm aber offengehalten werde und dann etwas passiere, wäre das ein schwerer Fehler, den niemand verzeihen würde. Kuhn verwies auf Notfälle in ähnlichen Gebäude. So hatte ein Kabelbrand im Jahr 2000 das Innere des Moskauer Fernsehturms fast komplett zerstört. Drei Menschen kamen damals ums Leben. Auch in Köln, Frankfurt, Hamburg und Nürnberg wurden laut Kuhn in den vergangenen Jahren Fernsehtürme geschlossen.

Nach Angaben von Kuhn soll nach Ostern geprüft werden, ob es Möglichkeiten für einen verbesserten Brandschutz gibt, so dass der Turm wieder freigegeben werden kann. Die Leiterin des Baurechtsamtes der Stadt Stuttgart, Kirsten Rickes, erklärte, die Treppe im Inneren des Turmes müsse so gestaltet werden, dass sie im Brandfall nicht durch Feuer und Rauch beeinträchtigt sei. Die Treppe sei zudem sehr steil und eng und deshalb für große Menschenmengen schwer begehbar.

Der Leiter der Branddirektion, Frank Knödler, verwies darauf, dass der Turm zwar Sprinkleranlagen habe. Und im Brandfall könnten die Technikräume mit Stickstoff geflutet werden. Trotzdem blieben große Teile des Turmes brennbar. «Und wenn sie brennbar sind und wir leider nur einen Rettungsweg haben, aber dieser verhindert wäre, wäre eine erhebliche Sicherheitsgefahr für Leib und Leben da.» Umweltbürgermeister Matthias Hahn (SPD) sagte, dass neuen Mitarbeitern der Stadt, die den Turm bislang nicht kannten, die Defizite aufgefallen seien. Letztlich sei es dann um die Frage gegangen: «Kann man das Risiko hinnehmen oder nicht?»

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